VW-Dieselskandal - Analysten senken Daumen über Volkswagen
Frankfurt (APA/Reuters) - Kurssturz von bis zu 40 Prozent und 30 Mrd. Euro Börsenwert in Luft aufgelöst: Seit Bekanntwerden des US-Abgasskan...
Frankfurt (APA/Reuters) - Kurssturz von bis zu 40 Prozent und 30 Mrd. Euro Börsenwert in Luft aufgelöst: Seit Bekanntwerden des US-Abgasskandals geht es mit den Aktien von Volkswagen steil bergab. Dennoch ist die Talsohle Experten zufolge noch nicht erreicht, da sich das ganze Ausmaß der Affäre um manipulierte Abgaswerte noch nicht überblicken lasse.
„Die Strafzahlungen werden schmerzhaft sein“, schreibt Analyst Tim Rokossa von der Deutschen Bank in einem Kommentar. Obwohl der Wolfsburger Autobauer Manipulationen eingeräumt habe, sei die bisher im Raum stehende Maximal-Summe von 18 Mrd. Dollar (16,1 Mrd. Euro) womöglich nicht das Ende der Fahnenstange. „Die Geschichte der Fahrzeug-Rückrufe lehrt uns, dass die erste ‚Beichte‘ selten die letzte ist“, betont Rokossa.
Sein Kollege Adam Hull von der Berenberg Bank warnt zusätzlich vor den langfristigen Folgen, wie einem geringeren Absatz. Außerdem müssten die Motoren voraussichtlich aufwendiger konstruiert werden, damit sie die Abgas-Grenzwerte auch im normalen Betrieb einhalten.
Vor diesem Hintergrund kürzte Deutsche Bank-Experte Rokassa seine VW-Ergebnisschätzungen für die Jahre 2015 bis 2017 um 35 Prozent. Dabei habe er neben der 6,5 Mrd. Euro schweren Rückstellung des Konzerns Strafzahlungen von vorerst nur 5 Mrd. Euro berücksichtigt. Er stufte die Aktie auf „Hold“ von „Buy“ zurück. Analyst Jose Asumendi von der Bank JPMorgan bewertet die Titel nun mit „Neutral“ statt „Overweight“. Berenberg-Experte Hull, LBBW-Analyst Frank Biller und Michael Punzet von der DZ Bank kassierten ihre Empfehlungen komplett und wollen die weitere Entwicklung abwarten.
Nach Ansicht von Analystin Kristina Church von der Barclays Bank müssen aber auch die Konkurrenten mit zusätzlichen Belastungen rechnen. Die geplante Verschärfung der Emissions- und Test-Richtlinien könnte schneller umgesetzt werden als bisher geplant. Für Anlagestratege Roland Kaloyan von der Societe Generale (SocGen) ist eine deutliche Kurserholung bei BMW, Daimler & Co aus einem weiteren Grund nicht in Sicht. Der Abgas-Skandal hänge auch über ihnen wie ein Damokles-Schwert. Anleger fragten sich, ob neben VW auch andere Autobauer die Tests manipuliert hätten.
Zulieferer wie Continental oder Valeo könnten langfristig aber von der VW-Affäre profitieren, betont Barclays-Analystin Church. Sollten Abgas-Richtlinien verschärft werden und die Zahl der verkauften Diesel-Motoren zugunsten von Turbo-Benzinern und Hybrid-Aggregaten zurückgehen, steige der von den Zulieferern stammende Anteil an den Antrieben.
Die VW-Aktie stabilisierte sich nach ihren zweitägigen Kurssturz am Mittwoch etwas. Sie fiel zwar zunächst um bis zu zehn Prozent auf ein Vier-Jahres-Tief von 95,51 Euro, holte die Verluste aber wieder auf und notierte zeitweise 5,1 Prozent im Plus. Damit kostete die VW-Aktie aber immer noch rund ein Drittel weniger als vor Bekanntwerden der Affäre. Der Index für die europäischen Autobauer und Zulieferer büßte im gleichen Zeitraum zeitweise 15 Prozent ein und notierte am Mittwoch 1,4 Prozent höher.
Nach Darstellung des europäischen Autoverbandes ACEA ist die Manipulation von Abgastests nicht in der gesamten Autoindustrie verbreitet. „Es gibt keinen Hinweis, dass es sich dabei um eine branchenweite Angelegenheit handelt“, erklärte der ACEA am Mittwoch. Zu der Abgasmanipulation von Volkswagen in den USA wollte der Verband nicht Stellung nehmen. Die Autoindustrie unterstütze die geplanten neuen Testverfahren, die Abgaswerte im Normalbetrieb und nicht länger nur unter Laborbedingungen messen. Die Regeln dazu sollten in der Europäischen Union dringend verabschiedet werden.
~ ISIN DE0007664039 WEB http://www.volkswagenag.com ~ APA272 2015-09-23/12:44