Kubanische Dissidenten: Franziskus hat Diktatur legitimiert

Havanna/Vatikanstadt (APA) - Die kubanische Opposition hat der katholischen Kirche im Anschluss an den Papstbesuch die Anerkennung und Billi...

Havanna/Vatikanstadt (APA) - Die kubanische Opposition hat der katholischen Kirche im Anschluss an den Papstbesuch die Anerkennung und Billigung der Diktatur auf der kommunistisch regierten Karibikinsel vorgeworfen. Laut des in Madrid ansässigen Nachrichtenportals „Diario de Cuba“ forderten kubanische Dissidenten von der Kirche eine Reaktion auf Verhaftungen von Regimekritikern während des Besuchs von Franziskus.

„Wir haben Dinge gesehen, von denen wir niemals gedacht hätten, dass wir sie sehen würden“, zitiert das Portal laut Kathpress den Gründer des Oppositionsforums Estado de SATS, Antonio Rodiles. Der Papst hatte seinen Kuba-Besuch am frühen Dienstagabend mitteleruopäischer Zeit beendet und war in die USA weitergereist.

Die Sprecherin der Bürgerrechtsbewegung „Frauen in Weiß“, Berta Soler, forderte den Angaben zufolge eine Aussprache mit Vertretern der Kirche, um deren Stellungnahme zu den Vorfällen rund um den Papstbesuch zu erfahren. Derzeit gebe es keinerlei Kommunikation.

Der Oppositionspolitiker Jose Daniel Ferrer kritisierte, der Besuch von Franziskus werde keine Spuren hinterlassen und schnell in Vergessenheit geraten. „Dieser Papst ist selbst in seinen besten Momenten viel zu halbherzig, doppeldeutig und wenig direkt gewesen“, sagt er der in Miami erscheinenden Tageszeitung „El nuevo Herald“.

Papst Franziskus erklärte unterdessen am Dienstag während des Flugs von Kuba nach Washington, er habe keine Informationen über Festnahmen von kubanischen Regimekritikern, die auf dem Weg zu einem Treffen mit ihm gewesen seien. Es habe Telefonate der Botschaft mit einigen Dissidenten gegeben, eine Begegnung sei jedoch nicht zustande gekommen, so Franziskus. Er betonte, dass nur eine Begrüßung, aber kein längeres Treffen geplant gewesen sei.

Kubanischen Medienberichten zufolge hatten Sicherheitskräfte die prominenten Dissidentinnen Berta Soler und Martha Beatriz Roque am Samstag daran gehindert, den Papst in der Nuntiatur in Havanna aufzusuchen. Das unabhängige Portal „14ymedio“ der kubanischen Bloggerin Yoani Sanchez berichtete, Roque Cabello sei gleich zweimal an dem Besuch von Veranstaltungen mit Papst Franziskus gehindert worden. Sie soll 15 Stunden auf einer Polizeiwache verbracht haben.

Nach Angaben der christlichen Oppositionspartei „Movimiento Cristiano Liberacion“ (MCL) wurden während des Papstbesuches 50 Dissidenten verhaftet, darunter zahlreiche Aktivistinnen der Bürgerrechtsorganisation „Frauen in Weiß“ sowie Mitglieder der MCL.

Im offiziellen Reiseprogramm von Franziskus war kein Treffen mit Dissidenten vorgesehen. Franziskus hatte sich am Sonntag bei seiner Ansprache auf dem „Platz der Revolution“ auch an jene Kubaner gewandt, die er „aus verschiedenen Gründen“ nicht treffen könne.