Gesundheit

Krebstherapie ändert sich massiv

© APA/dpa/Uwe Anspach

Der Europäische Krebskongress in Wien widmet sich neuen Behandlungswegen.

Wien –Wenn sich ab Freitag in Wien 20.000 Experten zum Europäischen Krebskongress (EEC, bis 29. September) treffen, steht ein Thema im Mittelpunkt: Die Bekämpfung der Krankheit durch eine punktgenaue Aktivierung des körpereigenen Immunsystems. „Die Immuntherapie wird die Landschaft der Krebstherapie völlig verändern“, stellte der lokale Organisator des kommenden Kongresses, der Wiener Onkologe Christoph Zielinski (Comprehensive Cancer Center MedUni Wien und AKH) dazu fest.

In den vergangenen Jahren hat die zielgerichtete Krebstherapie („targeted therapy“) auf der Basis der molekularbiologischen und genetischen Analyse von Tumoren die Behandlungsmöglichkeiten bei einigen bösartigen Erkrankungen deutlich verbessert. Aber der Effekt aller dieser Medikamente ist beschränkt. Die Wirkung der Arzneimittel hält bei fortgeschrittenen Tumorerkrankungen auch nur relativ kurz an, weil sich Resistenzen bilden.

Doch seit 2012/2013 sind die Onkologen weltweit dabei, eine neue Qualität in der medikamentösen Krebstherapie zu erreichen: die Immuntherapie, bei der es offenbar erstmals gelingt, dem körpereigenen Immunsystem zur ausreichenden Erkennung der bösartigen Zellen zu verhelfen und die darauf erfolgende Immunantwort zu nutzen. Bei den Arzneimitteln handelt es sich derzeit vor allem um monoklonale Antikörper gegen PD1-, PD-L1- und CTLA-4-Oberflächenmerkmale von Zellen: Diese halten im Umfeld des Tumors die Immunzellen vom Angriff auf die bösartigen Zellen ab.

Genau hier setzen diese neuen Immuntherapeutika an: Sie verhindern durch das Besetzen von PD-1 oder PD-L1 das Abschaltsignal für die Attacke der Immunzellen. Zwei solche Hemmstoffe, die Antikörper Nivolumab und Pembrolizumab, werden bei Patienten mit Melanomen bereits eingesetzt und derzeit in klinischen Studien zur Behandlung von Nieren- und Lungenkrebs getestet.

Diskutiert werden aber auch Studien, die für Europa weiterhin große Unterschiede in der Qualität der Versorgung von Krebspatienten belegen. Der Bedarf an guter Diagnose und Therapie steigt jedenfalls an: Die Weltbevölkerung wächst, damit rechnet man für 2030 bereits mit weltweit 20,3 Millionen neuen Krebsfällen und 13,2 Mio. Todesopfern. 2008 gab es noch 12,7 Mio. Erkrankungen und 7,6 Mio. Krebstote. (APA, TT)