Tirol

Gemeinden ärgern Kosten für Inklusion

Bürgermeister Christian Härting (l.) und Gemeindeverbandspräsident Ernst Schöpf fordern den Erhalt der Sonderpädagogischen Zentren.
© TGV/Leitner

Von S. Kuess und M. Pupp...

Von S. Kuess und M. Pupp

Innsbruck –Der Tiroler Gemeindeverband kritisierte bei einer Pressekonferenz in Innsbruck gestern die Inklusion behinderter Kinder im Schulbereich in mehrerlei Hinsicht. „Inklusion in Regelschulen tut beiden Seiten nicht gut“, betonte Gemeindeverbandspräsident Ernst Schöpf. „Es gibt zur Förderung begabter Kinder eigene Schulen, wie zum Beispiel ein Skigymnasium. So müssen wir auch in dem Bereich (der Sonderpädagogik, Anm.) Rücksicht nehmen.“ Schützenhilfe bekommt Schöpf vom Telfer Bürgermeister Christian Härting, der selbst Lehrer ist. In Zentren für Inklusiv- und Sonderpädagogik, früher Sonderschulen genannt, werden „Kinder so betreut, wie es sich gehört. Zum einen ist die spezielle Betreuung mit Sicherheit die beste und andererseits steht Steuergeld dahinter“, resümiert Härting. Die Gemeinden haben extra die Infrastruktur geschaffen und die Lehrer dort hätten die nötige Berufserfahrung.

Der Hauptkritikpunkt drehte sich gestern um das Geld. Denn der Bund ist in finanzieller Hinsicht für Bildung zuständig, auch in Bezug auf das zuständige Personal. Werden Kinder mit erhöhtem Förderbedarf nicht in einer eigens dafür vorgesehenen Einrichtung unterrichtet, sondern in die Regelschule integriert, kommen die Kommunen ins Spiel. „Die Gemeinde muss eine Stützkraft zur Verfügung stellen, diese ist dann Gemeindebedienstete“, betonte Härting. Laut Schöpf könnten die Kommunen dann zwar auf eine Förderung hoffen, diese sei aber nie einhundert Prozent. „Wir können uns nicht diesen Deckmantel Personalkosten umhängen lassen.“

Härting spricht vom Wunsch betroffener Eltern, „dass ihre Kinder speziell betreut sind“. Die Walter Thaler Schule in Telfs sei ein „Vorzeigebeispiel“ im Bereich der Sonderpädagogik. „Wenn Eltern es nicht wollten, hätten sie ihre Kinder längst in die Regelschule geschickt“, so der Bürgermeister. Zwar gibt es zwei verschiedene Lehrpläne, aber die Kinder in den Zentren für Sonderpädagogik werden auch auf die Arbeitswelt vorbereitet und haben die Möglichkeit einen Neue-Mittelschule-Abschluss zu machen. Angesprochen auf die UN-Behindertenkonvention, nach der auch Kinder mit Behinderung einen freien Zugang zur Regelschule erhalten müssen, gab Schöpf sich unwissend: „Davon ist mir nichts bekannt.“ Beim inklusiven Unterricht würde es ebenfalls eine Trennung geben. „Ich weiß, dass die Kinder mit erhöhtem Bedarf nicht immer mit in der Klasse sitzen“, betonte Härting und Schöpf legte nach: „Man hat ja dann im Regelschulbetrieb doch wieder zwei Einrichtungen.“