Ursula Strauss in „Meine fremde Frau“: „Musste Schmerz nicht spielen“
Wien (APA) - Für Ursula Strauss waren die Dreharbeiten zu ihrem neuen Film „Meine fremde Frau“ eine Herausforderung. Nicht nur, weil sie wen...
Wien (APA) - Für Ursula Strauss waren die Dreharbeiten zu ihrem neuen Film „Meine fremde Frau“ eine Herausforderung. Nicht nur, weil sie wenige Wochen vor Beginn bei einem Autounfall schwer verletzt wurde, sondern auch, weil sie ausgerechnet eine Frau spielte, die bei einem Unfall mit Fahrerflucht das Gedächtnis verliert. „Ich musste den Schmerz nicht spielen, er war Realität“, sagt sie im APA-Interview.
Etwas mehr als ein Jahr nach dem realen Unfall kommt die ORF/ZDF-Koproduktion unter der Regie von Lars Becker nun ins Fernsehen (28. Oktober, 20.15 Uhr, ORF 2). Die Produktion aufgrund ihrer Erlebnisse abzusagen, sei ihr nie in den Sinn gekommen, erzählt Strauss. „Es war nur die Frage, ob ich es körperlich schon schaffe“, erinnert sich die 41-Jährige, die damals ein weiteres Projekt ganz absagen und den Dreh von „Schnell ermittelt“ verschieben musste, weil sie nicht gehen konnte. „Ich war zuvor auf Reha und es war noch recht anstrengend. Jeden anderen Film hätte ich absagen müssen. In dem Fall gab es aber nur die Eröffnungsszene, wo Maria noch unverletzt ist und da haben wir geschaut, dass wir es so drehen, dass man nicht sieht, dass ich hinke.“
Ihr eigener Unfall hat sie während der Dreharbeiten „jede Sekunde“ begleitet. „Aber ich habe versucht, es zu verwenden. Das ist in unserem Beruf so angenehm. Der oft lakonisch gemeinte Satz ‚Use it!‘ hat in dem Fall - auch nicht ohne jeglichen Zynismus - funktioniert.“ Auch ein Jahr später leidet die viel beschäftigte Schauspielerin noch unter körperlichen Folgen, so steht ihr etwa noch eine Operation bevor. „Immer wieder merke ich, dass es noch nicht da ist, wo es sein sollte. Aber ich kann schon gut damit umgehen. Es wird immer besser.“ Mitgenommen aus dieser schweren Zeit hat sie das Bewusstsein, „vorsichtiger mit dem Geschenk umzugehen, das man hat“. Zudem habe sie nach wochenlangem Liegen und Hochlagern des Fußes eine neue Beziehung zu Bewegung entwickelt.
Trotz ihrer eigenen Krankenhaus- und Pflegeerfahrungen („Ich habe in einem Pensionistenheim gearbeitet und bin Kindergärtnerin“) sei es schwierig gewesen, sich in jemanden hineinzuversetzen, der sein Gedächtnis verloren hat. „Man spricht mit Leuten, die Patienten kennen, die in dieser schrecklichen Situation sind. Wenn du plötzlich dein Leben von einer Sekunde auf die andere verlierst, deine Kinder nicht erkennst, ist das absurd.“ Auch habe sie erfahren, dass solche Menschen oft aggressiv reagieren und ihren Angehörigen mit abrupten Zorn-Anfällen begegnen. „Das ist logisch, weil sie kein Netz mehr haben und wie in einem luftleeren Raum sind.“
Dass ihre Figur Maria Hofer - Ehefrau eines Staatsanwalts, der nach dem Unfall Einfluss auf die Ermittlungen nimmt - als mobile Pflegerin arbeitet, sei ein starkes Statement. Stark gerafft wird zu Beginn des Films ein Bild des Berufs gezeichnet, das von Stress und zu wenig Zeit für die Patienten geprägt ist. „Soziale Berufe - von der Kindergärtnerin bis zur Krankenpflegerin - sind so schwere Berufe und werden gleichzeitig so unterschätzt“, so Strauss. „Das sind Menschen, die sich in eine aufopfernde Tätigkeit für andere begeben und nicht genug dafür respektiert werden.“ Maria habe trotz ihrer privilegierten Situation wirklich Lust, zu helfen und leide darunter, nicht so helfen zu können, wie sie es sich vorstellt.
Beim Verlassen eines Kaffeehauses, in dem sie sich zuvor mit ihrem Geliebten, dem Dirigenten Lukas Horvath (Philipp Hochmair), getroffen hat, wird Maria überfahren. Zum Schrecken ihres Mannes (Harald Krassnitzer) und ihren Kindern hat sie ihr Gedächtnis verloren. Langsam gelingt der Schritt zurück in einen Alltag, in dem Maria nichts mehr vertraut ist. Parallel treibt ihr Mann den Ermittler (Dominik Warta) an, endlich den schuldigen Autofahrer zu finden. Ins Visier gerät der Bauunternehmer Toni Lorant (Nicholas Ofczarek). Der Dirigent Horvath verschweigt als einziger Zeuge aus mehr als einem Grund, was er am Unfallort zu tun hatte und was genau er beobachtet hat. Schnell entspinnt sich ein Geflecht aus Abhängigkeiten im Kulturbetrieb; mit von der Partie ist auch ein Cellist (Cornelius Obonya), der unter Horvath um seine Anstellung zittern muss. Der Baulöwe Lorant wiederum sitzt im Aufsichtsrat der Oper, an der Horvath angestellt ist. Ob diese Verstrickungen im Kulturbetrieb überzeichnet dargestellt seien? „Nein“, lacht Strauss.
(Das Gespräch führte Sonja Harter/APA)
(B I L D A V I S O - Pressebilder stehen unter http://presse.orf.at zum Download bereit.)
~ WEB http://orf.at ~ APA384 2015-09-23/14:53