Millionenprojekt soll Steinberg Leben einhauchen
Kein Gasthof, kein Saal, kein Geschäft: Die kleinste Gemeinde im Bezirk kämpft mit Abwanderung. Jetzt wird das Dorf neu belebt.
Von Angela Dähling
Steinberg –Weltweit zieht es die Menschen in die Städte. „Lebten 1950 weltweit 30 Prozent der Menschen in Städten, waren es 2000 schon 50 Prozent und 2050 dürften es 70 Prozent sein“, zeichnet Gemeindereferent LR Johannes Tratter ein düsteres Szenario für die ländliche Gegend.
In Innsbruck werde in zwei Stadtteilen ein Entwicklungsprozess gestartet, weil dort der Zuzug so enorm sei, erklärte Tratter. „Sag der Bürgermeisterin einen schönen Gruß, wir hätten Platz“, meinte Helmut Margreiter dazu prompt. Er ist Bürgermeister in Steinberg, der mit knapp 300 Einwohnern kleinsten Gemeinde des Bezirks. Vier Jahre lang gab es keine einzige Geburt im Ort, derzeit besuchen sieben Kinder den örtlichen Kindergarten, sechs die Volksschule. Eine erste Klasse gibt es heuer nicht.
Einwohnerstark war Steinberg nie. Aber als vor 15 Jahren der letzte stattliche Gasthof Kirchenwirt mangels Nachfolger zusperrte und zudem der einzige Nahversorger dichtmachte, wanderten vor allem junge Frauen zusehends ab. Wurscht war den Steinbergern das nicht, sie wollten ihren Ort wieder lebenswerter machen. „2012 wurde ein Bürgerrat gegründet. Dabei kam heraus, dass den Steinbergern die Belebung des Dorfzentrums durch ein Gasthaus als Begegnungsstätte das Wichtigste war“, erinnert sich BM Margreiter. Begleitet durch das Ressort „Dorferneuerung“ beim Land Tirol wurden Nägel mit Köpfen gemacht: Um 2 Mio. Euro entsteht nun vor der Schule und dem Gemeindeamt ein modernes Bauernhaus aus Beton und Steinberger Lärchenholz. Im „Wohnteil“ wird ein Gastronomiebetrieb samt kleinem Nahversorger mit heimischen bäuerlichen Produkten entstehen, der „Stallbereich“ wird ein Mehrzwecksaal und in der „Tenne“ im Obergeschoß wird die Technik situiert.
Dank einer deutschen Unternehmerin, die in Steinberg wohnt und der dieses Zukunftsprojekt eine Spende im sechsstelligen Bereich wert ist, kann die finanzschwache Gemeinde ihren Anteil an dem Millionenprojekt stemmen. LA Kathrin Kaltenhauser und LR Tratter betonten in Steinberg gestern, wie wichtig dem Land Tirol das Steigern der Lebensqualität in den Dörfer ist. Hier sei zumindest der Wohnraum noch leistbarer. Als Vorzeigeprojekt hob Kaltenhauser den Mesnerhof in Steinberg hervor: Dem alten Hof drohte der Abriss. Georg Gasteiger erneuerte alles detailgetreu und machte daraus einen Seminarbauernhof, der als österreichweites innovatives touristisches Leuchtturmprojekt ausgezeichnet ist.