Lienz: Fotoschau schärft den Blick zurück und geht unter die Haut
Die Ausstellung „Heimat/Front. Lienz und der Krieg 1914-1918“ im Museum Schloss Bruck erzählt von beklemmenden Zeiten der Stadtgeschichte. Sie wird am Montag, 28. September eröffnet. Auf die Besucher warten über 100 ausdrucksstarke Fotos, darunter auch bisher nie gezeigte Aufnahmen.
Von Claudia Funder
Lienz –Es sind Bilder, die nachdenklich stimmen. Sie richten die Augen in denkbar unruhige Zeiten: Vor 100 Jahren trat Italien in den Krieg ein, für Österreich-Ungarn eröffnete sich eine neue Frontlinie, die an die Grenzen des Bezirks Lienz reichte und auch das Leben im Hinterland massiv mitbeeinflusste.
Im einzigartigen Ambiente des Turms von Schloss Bruck wird Besuchern ab Montag, 28. September, eine Auswahl von über 100 historischen Aufnahmen serviert, welche die damaligen Geschehnisse auf besondere Weise zugänglich machen. Unter dem Titel „Heimat/Front. Lienz und der Krieg 1914–1918“ werden tiefe Einblicke in die Geschichte der Stadt und ihrer Bevölkerung im 1. Weltkrieg gewährt, auch anhand bis dato völlig unbekannter Lichtbilder.
Das Tiroler Archiv für photographische Dokumentation und Kunst (TAP) filterte aus seinem üppigen Bestand markante Raritäten heraus und konzipierte die Schau. Die Stadt Lienz machte für das Projekt 9500 Euro locker.
Bereits bei der Ausstellung „Schlaglicht“ setzte man bei der Vermittlung neben Schautafeln auf Lichtbild-Episoden – präsentiert via Medienstation. Angesichts des Riesenerfolges war eine Fortsetzung des Grundschemas bei der Ausstellung neuen Inhalts die logische Konsequenz.
„Nicht jedes Foto entstand in Lienz, das wäre nicht schlüssig“, erklärt TAP-Leiter Martin Kofler, der die Bilder auswählte, das Drehbuch für die Sprechertexte des Films verfasste und die Ausstellung auf die Beine stellte. „Die Entwicklungsstränge werden in einen räumlich wie zeitlich größeren Kontext gestellt, um Kontinuitäten und Besonderheiten sichtbar zu machen. Sonst wäre die Sicht extrem eingeschränkt.“
Die Episoden im Film – neun an der Zahl – starten mit der „goldenen Zeit“ der Stadt – der Bahneröffnung und dem Aufschwung des Tourismus. Und sie enden nicht 1918, sondern widmen sich auch noch dem Chaos nach Kriegsende und reichen bis in das Jahr 1925, in dem das von Albin Egger-Lienz künstlerisch ausgestattete Kriegerdenkmal eröffnet wurde. Den Schau-Schwerpunkt bilden aber die Kriegsjahre selbst.
Durch die Geschichte wird durch ein Zusammenspiel von Bild und Text geführt. „Manche Bilder brauchen mehr Erklärung als andere“, betont der Historiker Martin Kofler. Die anfängliche Begeisterung zu Kriegsbeginn machte rasch Ernüchterung Platz, die Gesichter der Protagonisten auf den Fotos erzählen von Not, Leid und Resignation. Gezeigt werden auch Kinderfotos. Kofler: „Jede Familie war betroffen – Männer, Frauen, Kinder.“ Angesprochen werden auch die Natur als Gegner und die enorme Bedeutung der Religion.
Die lohnenswerte Ausstellung beleuchtet viele Aspekte und zeigt gestellte Propaganda-Fotos ebenso wie bedrückende Alltagsaufnahmen. Sie wird am Montag um 19 Uhr eröffnet und ist heuer bis 26. Oktober sowie von Mai bis Oktober 2016 zu sehen.