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EU wirft kritisches Auge auf Vergleichsportale im Internet

© Geizhals

Online-Shopping boomt. Über aktuelle Preise für Konsumgüter informieren spezielle Internetseiten. Wie funktionieren diese, wie entstehen die Ranglisten? Das interessiert nicht nur die EU-Kommission.

Von Markus Schramek

Brüssel, Innsbruck – Das Internet hat große Macht, viel zu selten ist uns das auch bewusst. Wofür wir unsere hart verdienten Euros ausgeben, auch das wird oft online entschieden: mit Hilfe von Preisvergleichsportalen. Händler, die auf solchen Webseiten mit den besten (meist billigsten) Angeboten für den gesuchten Computer, Wäschetrockner, Winterreifen oder das sonstige Gerät aufscheinen, können sich die Hände reiben: Die Chance ist groß, dass bei ihnen gekauft wird.

Der Aktionsradius vieler Konsumenten verringert sich also, je nach Produkt, auf den viel zitierten Mausklick. Das WWW ersetzt den Kontakt mit Verkaufspersonal aus Fleisch und Blut. Wie sehr, das zeigt eine groß angelegte Studie der EU-Kommission (2015).

Die Brüsseler Behörde hat in der gesamten Union mehr als 1000 Vergleichsportale im Internet erhoben. 21.000 Konsumenten in allen Mitgliedsländern wurden befragt, wie sie es mit diesem Angebot halten. Die Ergebnisse:

• 60 Prozent der Konsumenten in Österreich informieren sich vor Käufen im Internet.

• Jeder Zweite surft zum Zwecke des Preisvergleichs zu einem einschlägigen Portal.

• Nur 19 Prozent suchen Rat bei Freunden oder Kollegen.

• Und gar nur 13 Prozent der heimischen Konsumenten schauen persönlich in einem Geschäft vorbei, um vorab Infos über ein begehrtes Produkt zu erhalten.

Die Konsumenten freut die Vergleicherei online also ganz offenkundig. Die EU-Kommission gibt sich viel weniger euphorisch. Sie vermisst bei mehr als der Hälfte aller Vergleichsportale Entscheidendes: die Transparenz.

Es sei nicht klar, so die Kritik aus Brüssel, wie die Produkt- ranglisten zustande kommen. Auch die Herkunft der Daten und wie oft diese aktualisiert werden, sei nur selten nachvollziehbar. Es würden Hinweise fehlen, ob es Partnerschaften mit bestimmten Händlern gibt. Und schließlich bleibe im Dunkeln, wie der Betrieb der Portale überhaupt finanziert wird.

Eine Reihe offener Fragen also. Wir haben diese an die Betreiber von zwei in Österreich stark frequentierten Vergleichsportalen, geizhals.at und idealo.at, weitergereicht. Und Folgendes konnten wir in Erfahrung bringen.

Beide Unternehmen betonen, dass man sich eine bessere Platzierung nicht erkaufen kann. „Die Reihung erfolgt ausschließlich nach dem niedrigsten Preis“, betont Idealo-Sprecherin Susan Saß. Auch Sandra Chociwska von geizhals.at ist dieser Punkt ganz wichtig: „Das Ranking kann von Händlern nicht gekauft werden.“

Ein Vorreihen durch spezielle Partnerschaften mit einzelnen Händlern schließen beide Sprecherinnen ebenfalls dezidiert aus. Und wenn zwei Händler ein Produkt zum selben Preis anbieten, werde jener mit der besseren Kundenbewertung weiter vorne angezeigt.

Beide Portalanbieter betonen, dass ihre Daten stets taufrisch seien. Bei idealo.at kommen die Preisangaben von den Händlern selbst bzw. von speziellen Netzwerken. Die Daten werden „in Echtzeit“ verarbeitet, wie es heißt. Bei geizhals.at ist eine Redaktion damit befasst, Daten manuell hinzuzufügen und zu pflegen, beispielsweise aus Testberichten. „Alle 15 Minuten werden die Preise aktualisiert“, sagt Geizhals-Sprecherin Chociwska.

Für Konsumenten stehen die Vergleichsportale gratis zur Verfügung. Zahlen müssen hingegen die Händler. „Pay per Click“ heißt hierfür das Modell. Je mehr Internetbenutzer das Angebot eines Händlers auf einem Vergleichsportal anklicken, desto mehr muss er dem Seitenbetreiber zahlen.