Flüchtlinge - Afghanistan ruft Landleute zum Bleiben auf
Wien (APA) - Angesichts vieler Afghanen, die aus ihrer Heimat fliehen, hat Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah seine Landleute aufge...
Wien (APA) - Angesichts vieler Afghanen, die aus ihrer Heimat fliehen, hat Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah seine Landleute aufgerufen zu bleiben und übt Selbstkritik. „Leider verlassen unzählige Afghanen das Land, vor allem junge. Ich muss sagen, dass wir unserer eigenen Bevölkerung die Zukunft unseres Landes und die aktuellen Umstände besser hätten vermitteln sollen“, sagte er zur „Wienerzeitung“.
Afghanistan habe viele schwierige Zeiten durchgemacht. „Die Situation hat sich in den vergangenen 14 Jahren aber verbessert. Vielleicht nicht so sehr, wie es die Menschen erwartet hatten. Gleichzeitig kann es nicht die Antwort sein, das Land zu verlassen. Die Antwort muss vielmehr sein, zusammenzuarbeiten und es gemeinsam aufzubauen“, appellierte der frühere Außenminister und Ex-Präsidentschaftskandidat. Die gesamt Regierung sei „zuständig dafür, unserer eigenen Bevölkerung eine Zukunftsperspektive besser zu vermitteln. Und ungeachtet der aktuell schwierigen Umstände gibt es eine Zukunft für die Afghanen“.
Die Sicherheitslage sei ein „sehr wichtiger Faktor“ bei der Frage der Flucht, führte Abdullah gegenüber der „Wienerzeitung“ (Donnerstag) weiter aus. Die Menschen machten sich Sorgen in diesem Punkt. Auf die Frage, ob die internationalen Kampftruppen Ende 2014 verfrüht aus Afghanistan abgezogen worden seien, antwortete der Regierungsgeschäftsführer: „Als der Abzug geplant wurde, hätte ein richtiger Übergabeplan ausgearbeitet werden sollen, um kein Vakuum zu hinterlassen. Das ist ein Faktum. Heute können wir diese Realität, diese Entscheidung nicht ändern. Es gibt keine Zweifel darüber, dass ein weitergehendes Engagement der internationalen Gemeinschaft zur Unterstützung unserer Sicherheitskräfte wichtig, sogar entscheidend ist.“
Ein Termin für weitere Gespräche der Regierung mit den Taliban ist laut Abdullah „nicht angesetzt“. „Wir glauben noch immer, dass die Taliban den Kampf aufgeben und sich dem Verhandlungstisch zuwenden sollen“, sagte er. „Sie haben schon viele Jahre gekämpft und gesehen, dass es nicht möglich ist, einen militärischen Sieg zu erringen. Wenn es aber um Konkretes geht, ist diesbezüglich nicht viel auf dem Tisch.“ In der Minute, in der sich die Taliban dazu entschieden, „ihre Ziele nicht mehr militärisch und durch den Einsatz von Gewalt und Terror gegen die eigenen Bürger zu erreichen, sondern politisch“, könne ein „wahrer Wandel“ stattfinden.