Historische Chance auf Frieden für Kolumbien

Bogota/Havanna (APA/AFP) - Nach Jahrzehnten der Gewalt gibt es für Kolumbien offenbar eine greifbare Chance auf Frieden: In der kubanischen ...

Bogota/Havanna (APA/AFP) - Nach Jahrzehnten der Gewalt gibt es für Kolumbien offenbar eine greifbare Chance auf Frieden: In der kubanischen Hauptstadt Havanna war am Mittwoch ein historisches Treffen zwischen Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos und dem Chef der FARC-Guerilla angesetzt. „Der Frieden ist nah“, verkündete Santos. „Der Frieden ist gekommen“, erklärten die Rebellen.

Präsident Santos schrieb im Onlinedienst Twitter, bei dem „Schlüsseltreffen“ in Havanna solle „das Ende des Konflikts“ mit den FARC-Rebellen beschleunigt werden. Als der Chef der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC), Timoleon Jimenez alias Timochenko, am Mittwoch in Havanna ankam, schrieben die Rebellen bei Twitter: „Der Frieden ist gekommen.“ Dazu stellten sie ein Foto, das Timochenko bei Gesprächen mit den FARC-Unterhändlern zeigt.

Ein FARC-Vertreter erklärte, neben Timochenko werde auch der kubanische Präsident Raul Castro an dem Treffen in Havanna teilnehmen. Demnach sollte das Gespräch um 17.00 Uhr (Ortszeit, 23.00 Uhr MEZ) beginnen. Kuba vermittelt in der Krise. Seit November 2012 laufen dort Friedensverhandlungen zwischen den Rebellen und der Regierung.

Es wäre das erste Treffen von Santos mit dem 56-jährigen FARC-Chef, der in Kolumbien wegen Mords, Terrorismus, Entführung und Rebellion gesucht wird. Es wäre auch das erste Treffen eines kolumbianischen Präsidenten mit einem FARC-Chef seit 14 Jahren.

Bei den Verhandlungen am Mittwoch in Havanna dürfte der Bereich Justiz im Mittelpunkt stehen. Die FARC lehnt Gefängnisstrafen für ihre Kämpfer ab, die Regierung wiederum ist gegen Straflosigkeit. Dieses Thema gilt als Knackpunkt der Verhandlungen. Laut kolumbianischer Präsidentschaft würde eine Einigung in diesem Bereich bedeuten, dass es „keine Umkehr“ bei den Friedensverhandlungen mehr gibt.

Nach Ansicht des Experten Jorge Restrepo vom Cerac-Forschungszentrum zu dem Konflikt bedeutet die Reise von Santos nach Havanna, dass „eine Einigung zur Übergangsjustiz bereits gefunden wurde“. „Das würde das Ende der Phase des Konflikts und den Beginn der Phase des Übergangs“ bedeuten, erläuterte er.

Eine juristische Unterkommission der beiden Konfliktparteien hatte seit Ende Juli über mögliche Strafen für diejenigen aus beiden Lagern beraten, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit begingen. Daneben gibt es nur noch wenige offene Punkte bei den Gesprächen, darunter die Modalitäten der Ratifikation eines endgültigen Friedensabkommens.

Die im Jahr 1964 gegründete, linksgerichtete FARC kämpft gewaltsam gegen Großgrundbesitzer und die Regierung. Sie zählt heute rund 7000 Kämpfer und ist die größte noch aktive Rebellengruppe in Kolumbien. In dem jahrzehntelangen Konflikt, an dem auch andere Rebellengruppen, rechtsgerichtete Paramilitärs und Drogenhändler beteiligt waren, wurden nach offiziellen Angaben etwa 220.000 Menschen getötet. Zudem wurden sechs Millionen Menschen zur Flucht gezwungen.

Zuletzt hatten die FARC am 20. Juli einseitig einen Waffenstillstand ausgerufen, die kolumbianische Regierung wiederum ordnete das Ende der Bombardierung von FARC-Stellungen an.

Papst Franziskus, der am Wochenende zu einem Besuch in Kuba war, rief die beiden Konfliktparteien erst am Sonntag eindringlich zu einer Friedensvereinbarung auf. Noch ein „Scheitern“ sei „nicht erlaubt“, mahnte der Papst.