USA-Besuch

Klimaschutz und Einwanderung: Papst stärkt Obama den Rücken

Papst Franziskus ist zum ersten Mal zu Besuch in den USA.
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Das katholische Kirchenoberhaupt begrüßte bei seinem Besuch in Washington den Einsatz des US-Präsidenten gegen den Klimawandel. Seine Kirche rief er auf, Migranten aus Lateinamerika mit offenen Armen zu empfangen.

Washington – Bei seinem ersten USA-Besuch hat sich Papst Franziskus mit klaren Aussagen zum Klimaschutz und zur Einwanderung in die politische Debatte eingemischt. Franziskus lobte am Mittwoch im Weißen Haus den Einsatz von US-Präsident Barack Obama im Kampf gegen den Klimawandel.

Später sprach er den umstrittenen Missionar Junipero Serra heilig. Franziskus warnte, dass das Problem der Erderwärmung „nicht länger einer kommenden Generation überlassen werden darf“. Obamas Klimaschutzinitiativen nannte er „ermutigend“. Der Präsident lobte ebenfalls das Engagement des Papstes: „Sie erinnern uns daran, dass wir eine heilige Pflicht haben, unseren Planeten zu schützen – Gottes prächtiges Geschenk an uns.“

Dank für Rolle bei Kuba-Annäherung

Obama dankte Franziskus für die Vermittlerrolle des Vatikan bei der historischen Annäherung an Kuba. „Wir sind dankbar für Ihre unschätzbare Unterstützung für unseren Neubeginn mit dem kubanischen Volk“, sagte er. Havanna und Washington hatten nach mehr als 50 Jahren Eiszeit im Juli wieder diplomatische Beziehungen aufgenommen. Der Annäherung waren Geheimverhandlungen unter Beteiligung des Vatikan vorausgegangen.

Das Oberhaupt der katholischen Kirche wurde bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel auf dem South Lawn des Präsidentensitzes mit militärischem Zeremoniell begrüßt. Nach Angaben des Weißen Hauses nahmen rund 11.000 geladene Gäste an dem Empfang teil, darunter neben katholischen Würdenträgern und offiziellen US-Vertretern auch viele Gläubige.

Als Sohn einer Einwandererfamilie freut es mich, Gast zu sein in diesem Land, das großenteils von solchen Familien aufgebaut wurde.
Papst Franziskus

Nach dem Treffen mit Obama im Weißen Haus fuhr Franziskus im Papamobil durch die Innenstadt von Washington. „Er ist ein Anführer, den die Welt heute sehr braucht“, sagte Millie Lober, die extra aus dem Bundesstaat Illinois angereist war. Auch viele Menschen mit lateinamerikanischen Wurzeln waren in der Menge und begrüßten Franziskus mit „Viva el Papa“-Rufen.

Franziskus erinnerte in seiner Ansprache im Garten des Weißen Hauses daran, dass die USA ein Einwanderungsland seien. „Als Sohn einer Einwandererfamilie freut es mich, Gast zu sein in diesem Land, das großenteils von solchen Familien aufgebaut wurde“, sagte der 78-jährige Argentinier. Obamas Pläne für eine Einwanderungsreform, die Migranten ohne gültige Papiere vor allem aus Lateinamerika einen Weg aus dem Schattendasein ermöglichen soll, stoßen bei den oppositionellen Republikanern auf heftigen Widerstand.

Appell an Bischöfe

Bei einem Mittagsgebet in der St.-Matthäus-Kathedrale appellierte Franziskus an die US-Bischöfe, Einwanderer aus Lateinamerika mit offenen Armen zu empfangen. Bei diesem Thema spreche er „nicht nur als Bischof von Rom, sondern als Pastor aus dem Süden“, sagte er. Migranten könnten „Amerika und seine Kirche bereichern“.

Das Kirchenoberhaupt rief die Bischöfe auch zur Überwindung des Pädophilieskandals auf, der die Kirche in den vergangenen Jahren erschüttert hatte. Weltweit kamen Fälle von Kindesmissbrauch ans Licht, die oft Jahrzehnte zurückreichen und von Kirchenverantwortlichen vertuscht wurden. „Solche Verbrechen“ dürften sich nicht wiederholen, mahnte der Papst.

Bei einem Gottesdienst in der Basilika der Unbefleckten Empfängnis in Washington sprach Franziskus den Missionar Junipero Serra heilig, der im 18. Jahrhundert den Katholizismus nach Kalifornien brachte. Serra sei „die Verkörperung einer ‚Kirche, die voran geht‘“ und er habe sich gegen die Misshandlung von Indianern gestellt, sagte der Papst. Bei der indianischen US-Bevölkerung stieß die Heiligsprechung wegen der oft gewaltsamen Missionierung der amerikanischen Ureinwohner auf Kritik. Mehr als 10.000 Menschen hatten eine Online-Petition gegen Serras Heiligsprechung unterzeichnet.

Am Donnerstag sollte Franziskus als erster Papst vor beiden Kongresskammern in Washington sprechen. Weitere Stationen der Reise sind New York, wo der Papst am Freitag eine Rede vor der UN-Vollversammlung hält, sowie am Samstag und Sonntag das Weltfamilientreffen in Philadelphia. (APA/AFP)