Am Tiroler Fußball-Himmel leuchten die Sterne wieder heller
Die englische Runde lässt Tiroler Fußballherzen höherschlagen: Erfolge gab es bei den Deutschland-Legionären Alessandro Schöpf und Lukas Hinterseer sowie den heimischen Cup-Fightern Wacker und Wattens.
Von Alex Gruber und Tobias Waidhofer
Innsbruck – Die vielseits erhoffte Idealkonstellation (ein Bundesligaverein ganz oben, ein Zweitliga-Klub darunter) lässt auf Tiroler Boden weiter auf sich warten. Mit dem FC Wacker Innsbruck (Sky Go Erste Liga) und der WSG Wattens (Westliga) weist man zur Stunde zwei starke Tabellenführer aus. Beim Blick über die deutsche Grenze stechen weiter Lukas Hinterseer und Alessandro Schöpf ins Auge. Welche Marken hält Fußball-Tirol künftig?
Der Außergewöhnliche: „Der Bua ist auch vom Kopf g’scheit“, lacht im Ötztal Unterhaus-Ikone Bertram Schöpf über die Großtaten, die sein Sohn Alessandro gegenwärtig beim 1. FC Nürnberg vollbringt. Beim 3:0-Sieg gegen Kaiserslautern netzte der U21-Teamspieler mit einem spektakulären Flugkopfball zur 2:0-Führung und seinem bereits dritten Saisontor ein. Der „Außergewöhnliche“ zog bereits mit 15 Jahren zum FC Bayern München los (dieser besitzt ein Rückkaufsrecht), um jetzt sein großes Glück bei den Franken zu finden. „In ein, zwei Jahren soll er Bundesliga spielen. Am besten Nürnberg steigt auf, denn er will ja bleiben“, unterstreicht der stolze Papa, wie wohl sich sein Stammhalter in der tragenden Rolle als Nürnberg-Stratege fühlt. Der Sohn selbst sagt: „Bis zum Aufstieg ist es ein weiter Weg, ich will einfach immer das Maximum herausholen.“ Auch Mario Weger, ehemals beim FC Wacker engagiert, reibt sich gegenwärtig die Hände: Neben Schöpf stehen auch die beiden weiteren Torschützen vom Lautern-Match, Guido Burgstaller und Even Hovland (NOR), unter Vertrag.
Der Überraschungsmann: Bei beinahe jeder gefährlichen Aktion, die Aufsteiger Ingolstadt bei der 0:1-Heimniederlage gegen den HSV kreierte, wurde der Name von Lukas Hinterseer laut. Ein aberkannter Treffer war auch dabei. Die Geschichte des „Hansi“ ist bekannt. Von Walter Kogler eher „verstoßen“, stieg er nach mageren Jahren beim FC Lustenau und der Vienna unter Coach Roli Kirchler zu einer führenden Größe beim FC Wacker und sogar zum ÖFB-Teamspieler auf. „Heimat bist du großer Söhne“ möchte der 24-jährige Kitzbüheler jetzt auch bei der EURO als Mitglied des Teamkaders hören. Hinterseers Leistungsdaten weisen nach sechs Einsätzen in der deutschen Bundesliga sechs Plätze in der Startelf (463 Minuten), 234 Ballkontakte, einen Treffer, drei Torschüsse und zwölf Torschussbeteiligungen aus. Der Überraschungsmann will nach Frankreich fliegen. Frei nach dem Motto: „Arbeit macht das Leben süß.“
Die Schwarzgrünen: Die schwarzgrüne Legende lebt wieder, auch wenn man im ÖFB-Cup bei Landesligist Krems in eine unfreiwillige Ehrenrunde und in die Verlängerung musste. „Die 120 Minuten haben mich gestört, aber es ist ja ganz gut ausgegangen“, atmete Wacker-Trainer Klaus Schmidt nach dem 5:3-Sieg durch. „Steirerman san beim FCW gegenwärtig very good“ – das trifft neben Schmidt auch auf Christoph Freitag, Christian Deutschmann, Jürgen Säumel (derzeit verletzt) oder im jüngsten Match auch auf Doppeltorschütze Thomas Hirschhofer („Er hat auch dafür gesorgt, dass wir auf Schiene bleiben“) zu. Das Gros der Startaufstellung im Cup stammte mit sechs Spielern (Pascal Grünwald, Michael Lercher, Sebastian Siller, Armin Hamzic, Alex Hauser, Alex Gründler) aus Tirol, die zuvor geschonten Florian Jamnig und Andreas Hölzl kamen noch von der Bank. Von hinten klopfen ein Rami Tekir, Michael Augustin und Co. auf Sicht an. Am Beispiel Gründler oder Hamzic sieht man die erfolgreiche Entwicklungsarbeit der heimischen Akademieschiene sowie deren fortgesetzte Arbeit bei den schwarzgrünen Fohlen. Man(n) kann es aber auch mit einem „Braveheart“-Charakter (Musterbeispiel Sebastian Siller) schaffen.
Die Grünweißen: Der Elfmetersieg über Kapfenberg (6:5) war der Beweis, dass die WSG Wattens mit einer kollektiv starken Leistung gut genug für einen Zweitliga-Gegner sein kann, und gewissermaßen ein Vorgeschmack auf die Zukunft. Nach zwei verlorenen Relegationsduellen gegen BW Linz (2011) und den SV Horn (2012) will die Werkssportgemeinschaft unter der ehrgeizigen Führung von Präsidentin Diana Langes-Swarovski hinauf. „In der Sky Go Erste Liga müssen wir halt 36 Runden bestehen, nicht nur ein Spiel. Wir müssen dafür sicher noch an ein, zwei Schrauben drehen“, spricht das Führungsduo Thomas Silberberger (Coach) und Stefan Köck (Manager) dieselbe Sprache. Eine neue Geschäftsstelle, drei Nachwuchs-Leiter/Koordinatoren für zehn Teams und eine neue Kantine signalisieren die Aufbruchsstimmung, die in einem Cup-Achtelfinale gegen Wacker gipfeln könnte. „Die Vereine stehen für mich für den Fußball in Tirol“, hält Silberberger vor dem Westliga-Gipfeltreffen gegen Anif (Sa/15.30 Uhr) im Gernot-Langes-Stadion fest.
Bundesliga: Hannes Aigner (Altach), Clemens Walch (Ried), Fabian Koch (Wr. Austria), Sandi Lovric (der 17-jährige Osttiroler/Leisach war für Sturm im Cup 23 Minuten im Einsatz).
Sky Go Erste Liga: Florian Mader (St. Pölten), Alexander Joppich (Liefering).
Deutschland: Marco Kofler, Julius Perstaller (beide Hansa Rostock/3. Liga), Markus Obernosterer (SV Elversberg/Regionalliga).