Uni-Budget: MedUni Wien kämpft an mehreren Fronten

Wien (APA) - Die Medizin-Uni Wien kämpft an mehreren Fronten um ein höheres Budget. Bei den Leistungsvereinbarungs-Verhandlungen mit dem Bun...

Wien (APA) - Die Medizin-Uni Wien kämpft an mehreren Fronten um ein höheres Budget. Bei den Leistungsvereinbarungs-Verhandlungen mit dem Bund für 2016 bis 2018 liege man noch mehr als 100 Mio. Euro auseinander, so der scheidende Rektor Wolfgang Schütz am Mittwochabend Dazu kämen noch die ungeklärte Situation beim Klinischen Mehraufwand sowie die Notwendigkeit eines Neubaus für den vorklinischen Bereich.

„Wir sind in einer kritischen Situation“, betonte Schütz gemeinsam mit seinem designierten Nachfolger Markus Müller und dem Uni-Rats-Vorsitzenden Erhard Busek vor Journalisten. Dabei träfen mehrere Punkte zeitlich aufeinander.

„Wir brauchen gegenüber der letzten Leistungsvereinbarungsperiode um 200 Mio. Euro mehr zum Erhalt des Status Quo“, rechnete Schütz vor. Das liege unter anderem an der Budgetstruktur: „Wir haben - gemessen am Gesamtbudget - den höchsten Personalstand aller Unis. 90 Prozent des Budgets werden für Gehälter aufgewendet.“ Steigerungen in diesem Bereich könnten deshalb kaum anderweitig aufgefangen werden, die Budgetwünsche würden daher stets exponentiell anwachsen.

Aufgrund der vor kurzem unterschriebenen neuen Betriebsvereinbarung, die durch das neue Ärztearbeitszeitgesetz nötig wurde, erhielten die Ärzte ab 1. Jänner 20 Prozent mehr Gehalt, ab 2019 kommen erneut zehn Prozent dazu. Allein die 20-Prozent-Erhöhung koste die Uni 20 Mio. Euro pro Jahr. Ein Teil der nötigen Zusatzmittel für das Gesamtbudget sei vom Bund schon zugesagt worden - „es sind aber immer noch mehr als 100 Mio. offen“, so Schütz. „Nur dann können wir ausgeglichen budgetieren.“

Dazu komme noch, dass Ende des Jahres die seit 2007 gültige Vereinbarung mit Stadt und Bund zum klinischen Mehraufwand (KMA) für Investitionen im AKH auslaufe. „Da die Beträge seither nicht valorisiert wurden, zeigt sich jetzt, dass das AKH in kritischem Zustand ist“, meinte Schütz.

Der KMA sind jene Mehrkosten, die der Bund den Ländern ersetzt, weil an den Uni-Kliniken neben Patientenversorgung (Länder-Zuständigkeit) auch Lehre und Forschung (Bundes-Zuständigkeit) betrieben werden. Er gliedert sich in einen KMA für Investitionen (Bauten, Geräte) und einen KMA für den laufenden Betrieb.

„Das AKH hat für die nächsten acht Jahre einen Investitionsbedarf von 1,2 Mrd. Euro im Baubereich und von 770 Mio. Euro im Gerätebereich“, betonte Schütz. „Wenn das nicht aufgebracht wird, ist das ganze Krankenhaus in Gefahr, dass es veraltet bzw. sogar in einen betriebsgefährdenden Zustand kommt.“

Busek wundert sich dabei, dass nach wie vor immer vom „Neuen AKH“ gesprochen werde. „Was vor 40 Jahren gebaut wurde, ist mittlerweile veraltet. Über die Bezeichnung ‚Neues AKH‘ muss ich immer wieder lachen. Das ist es nicht mehr, wir müssen schauen, dass es up to date wird.“

Bei den Verhandlungen über den KMA sieht es gemischt aus, meinte Busek: „Auch wenn ich es nicht gern sage: Im Moment haben wir mit dem Bund mehr Probleme als mit der Stadt.“ Während die Stadt die derzeitige Regelung - Kosten für die Bauten werden je zur Hälfte getragen und jene für die Geräte zu zwei Drittel von der Stadt und zu einem Drittel vom Bund - verlängern wolle, würde der Bund seinen Anteil drücken wollen. Der jährlich rund 40 Mio. Euro schwere KMA für den laufenden Betrieb läuft dagegen noch zwei Jahre weiter.

Ein weiteres Problem der Medizin-Uni stellt das veraltete Gebäude für den vorklinischen Bereich in der Schwarzspanierstraße dar. Dieses werde vermutlich vom Arbeitsinspektorat demnächst gesperrt, so Schütz. Und das sei auch überfällig, ergänzte Busek: „Ich bin seit 20 Jahren nicht mehr Wissenschaftsminister. Und der Investitionsbedarf war damals schon akut.“

Ohne Gebäude für den vorklinischen Bereich müsse die Studentenzahl „wesentlich verringert“ werden, kündigte Schütz an. Die Uni habe zwar das ehemalige Wien-Energie-Gelände in der Mariannengasse erworben - bauen müsse dort aber der Bund bzw. die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG). Ein Neubau käme vermutlich auf rund 250 Mio. Euro.

Diese summierten Kosten würden die Politik lähmen, vermutet Schütz: „Der Bund erstarrt, wenn man vorrechnet, was die Wiener Medizin an Geld braucht. Da wird intuitiv abgeschaltet, weil man sagt: ‚Das können wir eh nicht finanzieren.‘“

Müller kritisierte, dass die Medizin-Uni oft nur als Kostenfaktor gesehen werde. Natürlich verursache man hohe Kosten - Studien für das Ausland würden aber zeigen, dass die Universitätsmedizin auch eine hohe Umwegrentabilität habe. „In der Patientenversorgung spielen wir eine systemrelevante Rolle. Um im Bankenjargon zu bleiben, sind wir ‚Too big to fail‘.“

Es bestehe aber die reale Gefahr, etwa im Forschungsbereich „nach unten durchgereicht zu werden“, meinte Müller. Noch Anfang der 1990er-Jahre sei der wissenschaftliche Output weit unter dem internationalen Schnitt gewesen - mittlerweile habe man aber zumindest Anschluss gefunden.

„Besonders weh tun“ würde Müller außerdem die Errichtung eines Privatspitals am AKH-Campus. „Das würde uns baulich stark einschränken.“ „Alle vergleichbaren Unis in Europa haben Grundreserven, weil ja immer wieder neue Notwendigkeiten - etwa für Forschungseinrichtungen - entstehen“, ergänzte Busek. „Der Bürgermeister hat uns zwar zugesagt, dass das Areal nicht für ein Privatspital verwendet wird - das hätte ich aber gern schriftlich. Weil keine politische Karriere dauert ewig, das weiß ich aus eigener Erfahrung.“