Flüchtlinge - Orban will Durchlassen von Migranten „erwägen“

Budapest/Wien/Brüssel (APA) - Ungarns Regierungschef Viktor Orban hat an die Adresse von Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) erklärt, sein La...

Budapest/Wien/Brüssel (APA) - Ungarns Regierungschef Viktor Orban hat an die Adresse von Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) erklärt, sein Land könne jederzeit seine Bemühungen zum Bremsen des Flüchtlingsstroms beenden und die zu Tausenden ankommenden Flüchtlinge nach Österreich und Deutschland durchreisen lassen. „Das müssen wir letzlich erwägen“, sagte Orban laut der Nachrichtenagentur MTI nach dem EU-Gipfel am Mittwochabend.

Faymann habe eindeutig gesagt, „wenn wir die Migranten nur mittels eines Zaunes stoppen können, dann sollen wir sie lieber durchlassen“, sagte Orban. Sein Land habe derzeit zwei Möglichkeiten, erklärt der ungarische Premier. Man könne die grüne Grenze mit einem Zaun schützen oder, wenn dies anderen „nicht gefällt“, alle Flüchtlinge passieren lassen.

Bei dem Gipfel am Mittwochabend dürfte es zu einer Konfrontation zwischen Faymann und Orban gekommen sein. EU-Ratspräsident Donald Tusk räumte eine solche nach dem Treffen ein. „Sie können sich vorstellen, dass die Diskussion zwischen dem ungarischen Premierminister und dem österreichischen Kanzler sehr energiegeladen war“, sagte Tusk.

In den vergangenen Wochen reisten zehntausende Flüchtlinge über Griechenland auf der Balkan-Route nach Ungarn ein, um von dort weiter über Österreich nach Deutschland und Skandinavien zu gelangen. Trotz Bau eines Grenzzauns und verschärfter Einwanderungsgesetze kommen immer noch jeden Tag tausende Menschen in Ungarn an.

Orban bedauerte laut MTI, dass es bei dem EU-Gipfel keine Vereinbarung hinsichtlich des Schutzes der griechischen Grenzen getroffen wurde. Denn wenn Griechenland nicht in der Lage sei, seine Grenzen zu schützen, dann solle das durch die Europäische Union erfolgen, so der ungarische Vorschlag.