Lustvoll befreiende Andeutungen
Mit „Das positivste Wort der englischen Sprache“ beweist US-Autor Steven Bloom sein Talent als Kompositeur vielsagender Kleinigkeiten.
Innsbruck –2012 wurde bei den Innsbrucker Wochenendgesprächen über Spielarten des Satirischen diskutiert – und der US-amerikanische Autor Steven Bloom entwickelte sich dabei als Vertreter des eigentümlich bitter-bösen jüdischen Witzes schnell zum Publikumsliebling.
Mit „Das positivste Wort der englischen Sprache“ hat Bloom, der seit beinahe vier Jahrzehnten in Heidelberg lebt und dort amerikanische Landeskunde lehrt, dieser Tage sein bislang fünftes und in der Anlage ambitioniertestes Buch vorgelegt: ein Roman, der entlang der wenig spektakulären Biografie des jüdischen Jedermanns Norman Goldstein rund 50 Jahre US-amerikanischer Zeitgeschichte erzählt, vom zögerlichen Aufbruch der 1960er-Jahre, über die Schüsse von Dallas (auf John F. Kennedy), Memphis (auf Martin Luther King) und Los Angeles (auf Bobby Kennedy), den Vietnamkrieg, Watergate, die Reagan-Jahre bis zum „War on Terror“ der Nullerjahre. Aber, keine Sorge: Was in der Paraphrase nach einem veritablen 1000-Seiter klingt, kommt bei Bloom ganz schlank daher. Der 73-jährige ist kein wortreicher Epiker, sondern ein Kompositeur von Kleinigkeiten. Gerade mal 160 großzügig gesetzte Druckseiten räumt er Goldsteins Leben, seinem leisen Mitläufertum und noch leiserem Aufbegehren gegen allgegenwärtige Ressentiments, ein. Ohne dass das Gefühl entstünde, etwas käme zu kurz. Blooms Trick: Er erzählt im Grunde nicht, sondern lässt seine Figuren reden. Im Banalen ganz alltäglicher Dialoge, in dem, was gesagt, und mehr noch in dem, was nicht gesagt wird, spiegeln sich die großen und kleinen Tragödien.
In Zeiten detailsatter Großromane wie Donna Tartts „Der Distelfink“ (1024 Seiten) oder – ganz aktuell – Jonathan Franzens „Unschuld“ (immerhin 832 Seiten) fällt Blooms narrative Zurückhaltung, sein lustvolles Spiel mit dahingemurmelten Andeutungen, befreiend aus dem Rahmen. (jole)
Roman Steven Bloom: Das positivste Wort der englischen Sprache. Aus dem Amerikanischen von Silvia Morawetz. Wallstein, 160 S., 18,40 Euro.