Film und TV

Guter Junge, böser Bulle

© ZDF und Stephan Rabold

Die Serie „Blochin – Von den Lebenden und den Toten“ mit Jürgen Vogel in der Hauptrolle startet heute im ZDF. Den hohen Erwartungen kann das sechsstündige Polizisten-Drama nicht standhalten.

Innsbruck –Das so genannt­e Qualitätsfernsehen ist nicht gerade üppig mit Helden klassischen Zuschnitts bestückt. Die anspruchsvolle Serienlandschaft scheint ausschließlich von Charakteren im Graubereich zwischen Gut und Böse bevölkert zu sein. Maßgeblich etwa die gefeiert­e US-Serie „Breaking Bad“, die von der Wandlung eines braven Familienvaters zum skrupellosen Drogenbaron erzählt. Als deutsches „Breaking Bad“ wurde „Blochin“ vorab gehandelt, die fünfteilige Mini-Serie, die ab heute (20.15 Uhr, ZDF) in drei kompakten Tranchen ausgestrahlt wird, soll ein jüngeres Publikum zudem zum so genannten Binge Watching einladen. Die komplette erste Staffel ist nach Ausstrahlung der ersten Folge in der ZDF-Mediathek verfügbar. Bei der Berlinale im Februar wurde die Polizisten-Serie bereits sechs Stunden am Stück gezeigt. Regie führte Matthias Glasner, der mit Hauptdarsteller Jürgen Vogel vor zwanzig Jahren ein­e eigene Produktions­firma gründet­e. 2006 entstand der verstörend-eindrückliche Film „Der Freie Wille“.

Das Drehbuch zu „Blochin – Die Lebenden und die Toten“ hat Glasner selbst verfasst, eine Produktion, die bei der Berlinale aber nicht zu überzeugen vermochte. Von Lachern ob der unfreiwilligen Komik wird berichtet. Dem großartigen Jürgen Vogel gesteht das Script tatsächlich wenig Handlungsmöglichkeiten zu. Und bereits die Eröffnungssequenz von „Blochi­n“ enttäuscht. In einer Rückblende wird vom tragischen Ende einer jungen Liebe erzählt. Als Teenager muss Blochin mitansehen, wie seine Angebetete kaltblütig erschossen wird, kurz danach richtet der unsichtbare Täter die Waffe auf ihn und drückt ab. Schwarz-Weiß-Bilder und Zeitlupe zum Auftakt sind nicht gerade State-of-the-Art. Der starke Cast trägt fortan durch die Handlung, die aber allzu verbissen nach Erfolgsformel zusammengebastelt scheint. Blochin ist Ermittler der Mordkommission, der von seiner kriminellen Vergangenheit als Drogendealer und Zuhälter eingeholt wird. Er ist ein Außenseiter, über den sein Schwager, der Leiter der Mordkommission, „Lieutenant“ genannt, seine schützende Hand hält. Von diesem Namen führt – man ahnt es bereits – ein sehr kurzer Weg zum „Bad Lieutenant“. Die beiden Männer sind in Sorg­e um Inka verbunden – Blochins Ehefrau und Schwester des Lieutenant, die an multipler Sklerose erkrankt ist.

Die Handlungsstränge sind genreüblich komplex, Regisseur Glaser scheint aber zunehmend die Kontrolle über die vielen Charaktere und Neben­schauplätze zu verlieren. Sollte der Zuseher nicht mit der international anspruchsvollen Serien­produktion vertraut sein, kann „Blochin“ aber durchaus bestehen. (sire)