UNO-Generalversammlung - Obama zieht um
New York/Washington (APA/dpa) - Als erster US-Präsident seit Jahrzehnten steigt Barack Obama während der UN-Woche nicht mehr im „Waldorf Ast...
New York/Washington (APA/dpa) - Als erster US-Präsident seit Jahrzehnten steigt Barack Obama während der UN-Woche nicht mehr im „Waldorf Astoria“ ab. Grund: Das berühmte Hotel gehört jetzt Chinesen. Und die Amerikaner sorgen sich vor Lauschangriffen - ausgerechnet die USA.
Der Auftritt vor den Vereinten Nationen ist selbst für US-Präsidenten etwas Besonderes. Ende September, in der Generalversammlung, lässt sich jedes Jahr zuverlässig messen, wie es um das Ansehen der Supermacht gerade bestellt ist. Aber der Auftritt hat auch seine Rituale. Der Rednerplatz Nummer zwei, immer hinter Brasilien. Die Fahrt mit der schwarzen Wagenkolonne zur UN-Zentrale, wenn in Manhattan gar nichts mehr geht. Und der große Empfang für den Rest der Welt am ersten Abend im „Waldorf Astoria“.
Damit ist es jetzt vorbei. Als erster amerikanischer Präsident seit Jahrzehnten steigt Barack Obama während der UN-Woche nicht mehr im „Waldorf Astoria“ ab. Der Grund: Das legendäre Hotel an der Park Avenue, eines der offiziellen Wahrzeichen der Stadt New York, gehört neuerdings Chinesen. Und die USA - die mit der Ausspitzelung von anderen Staats- und Regierungschefs durchaus Erfahrung haben, wie nicht nur Angela Merkel weiß - fürchten nun selbst eine Späh-Attacke.
So klar wird das, schon aus diplomatischer Rücksicht, natürlich nicht gesagt. Aber Obamas Sprecher Josh Earnest wurde einigermaßen deutlich, als er die Absage vor kurzem begründete. „Es gibt eine Reihe von Erwägungen, die die Entscheidung beeinflussen, wo sich der Präsident aufhält, wenn er nicht im Weißen Haus ist. Das schließt alles Mögliche ein, vom verfügbarem Platz über die Kosten bis hin zur Sicherheit.“
Hinter den Kulissen lassen die Amerikaner keinen Zweifel daran, dass dies, nach einer Reihe von chinesischen Cyber-Angriffen auf US-Stellen, der eigentliche Punkt ist.
Das bedeutet das Ende einer großen Tradition. Das 1931 eröffnete „Waldorf Astoria“, ein ganzer Block an der Park Avenue, war für US-Präsidenten so etwas wie ihre halboffizielle Niederlassung in Manhattan. Während der UN-Woche belegte das Weiße Haus dort ganze Etagen. Im 42. Stock war jahrzehntelang die Residenz des amerikanischen UN-Botschafters. Der ehemalige Präsident Herbert Hoover starb dort 1964 sogar in seiner Suite.
Im vergangenen Oktober verkaufte dann jedoch die Hilton-Kette ihr Flaggschiff für 1,95 Milliarden Dollar (etwa 1,55 Milliarden Euro) an den chinesischen Versicherungskonzern Anbang. Die Gruppe hat enge Beziehungen zur kommunistischen Führung. Der Konzernchef ist mit einer Enkelin des ehemaligen Staats- und Parteichefs Deng Xiaoping verheiratet. Seit Monaten gab es deshalb schon Spekulationen, dass sich Obama ein anderes Quartier suchen könnte.
Die Entscheidung hat nun ein regelrechtes „Hotel-Wechsel-Dich“ zur Folge. In den vergangenen Wochen waren Delegationen aus aller Welt damit beschäftigt, sich für die UN-Woche eine standesgemäße Herberge zu sichern. Obamas Platz im „Waldorf Astoria“ wird nach einem Bericht der „Times of India“ nun Indiens statusbewusster Ministerpräsident Narendra Modi einnehmen.
In der Luxusherberge logieren aber auch Kremlchef Wladimir Putin, der zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder zu den Vereinten Nationen kommt, sowie - seit dem ersten USA-Besuch von Deng Xiaoping 1974 eine Selbstverständlichkeit - die Chinesen. Die deutsche Delegation mit Kanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier ist dieses Mal gleich auf drei Hotels verteilt.
Obama selbst wird nun ein paar Straßenzüge weiter übernachten: im „New York Palace“, einem nicht minder luxuriösen, aber weniger legendären Hotel an der Ecke von 50. Straße und Madison Avenue. Das gehört seit Ende Mai übrigens Südkoreanern.
~ WEB http://www.un.org/en/ga/ ~ APA314 2015-09-24/12:34