Norwegen senkte Leitzins erneut
Oslo (APA/Reuters) - Die norwegische Zentralbank hat die Zinsen auf ein Rekordtief gesenkt. Sie kappte den Schlüsselsatz für die Versorgung ...
Oslo (APA/Reuters) - Die norwegische Zentralbank hat die Zinsen auf ein Rekordtief gesenkt. Sie kappte den Schlüsselsatz für die Versorgung des Finanzsystems mit Geld am Donnerstag um einen weiteren Viertelpunkt auf 0,75 Prozent. Notenbank-Chef Oeystein Olsen deutete zudem eine weitere Straffung und sogar die Möglichkeit negativer Zinsen an.
„Die norwegische Wirtschaft befindet sich in einer neuen Ära. Wir sind nicht mehr eine Klasse für sich.“ Norwegen macht der Ölpreisverfall zu schaffen. Ein Fünftel seiner Wirtschaftsleistung schöpft das Land aus der Ölförderung vor der Küste. Insofern sieht sich die Notenbank einem Dilemma ausgesetzt: Sie muss die Wirtschaft ankurbeln und gleichzeitig einen überhitzten Immobilienmarkt wieder auf Normalmaß bringen.
Den Einlagesatz senkte die Notenbank auf minus 0,25 Prozent. Damit müssen Banken in Norwegen erstmals eine Art Strafgebühr auf Gelder bezahlen, die sie kurzfristig bei der Zentralbank parken. Das soll bewirken, dass die Institute die Mittel in Form von Krediten an Kunden weitergeben und nicht horten.
Zuletzt hatte die Zentralbank die Zinsen im Juni gekappt. Wahrscheinlich werde es noch vor Weihnachten einen weiteren Schritt geben und dann den nächsten 2016, sagte Analyst Frank Jullum von Danske Bank Markets. „Das war schlechter als wir erwartet haben.“ Norwegen werde sich den Nachbarn Dänemark und Schweden in zwei bis drei Jahren anschließen und ebenfalls negative Leitzinsen haben, sagte Chefvolkswirt Jan Andreassen von der Bank Eika.
Der Ölpreis hat sich binnen Jahresfrist fast halbiert, was der gesamten Branche schwer zu schaffen macht. Norwegische Unternehmen aus der Öl-Industrie haben deswegen Tausende Mitarbeiter entlassen und Investitionen aufgeschoben.