Die vielen neuen Gesichter der aktuellen Arbeitslosigkeit
Die Konjunktur schwächelt, eine Trendwende am heimischen Arbeitsmarkt ist nicht in Sicht. Vier Arbeitslose erzählen von ihrem Kampf um Arbeit. Neue Zuwanderer mit schlechten Deutschkenntnissen verdrängen keine Österreicher aus Jobs, sagt der renommierte Ökonom Friedrich Schneider.
Von Liane Pircher
Innsbruck, Linz –Auch wenn die heimische Wirtschaftsleistung zuletzt etwas an Schwung gewonnen hat, die angespannte Lage am Arbeitsmarkt bleibt. Auf eine freie Stelle – im August gab es 31.000 – kommen österreichweit weiterhin zwölf Arbeitslose. Die größten „Problemgruppen“ sind laut AMS-Tirol: Ältere, Geringqualifizierte, Personen mit Migrationshintergrund und Menschen mit gesundheitlicher Beeinträchtigung (Behinderung). So sind derzeit 692 Tiroler der Generation 55plus, aber auch 445 Jugendliche (mit maximal Pflichtschulabschluss) ohne Job.
Dass der aktuelle Zustrom an Flüchtlingen die Arbeitsmarktlage verschärfen könnte, hält der renommierte Linzer Ökonom Friedrich Schneider für Blödsinn: „Die aktuell hohe Arbeitslosigkeit gibt es, weil die Konjunktur schlecht und Österreich im internationalen Vergleich immer weniger wettbewerbsfähig ist, nicht weil Flüchtlinge kommen.“ Es würde aufgrund der mangelnden Sprachkenntnisse und oft geringen Ausbildungen auch in Zukunft keinen neuen Verteilungskampf um Jobs geben: „Es dauert oft Jahre, bis Asylwerber irgendwo offiziell arbeiten können und wenn, dann sind es oft Jobs, für die sich Herr und Frau Österreicher zu schade sind“, so Schneider, der dafür plädiert, zumindest den Arbeitsmarkt in der Gastronomie für Asylwerber sofort zu öffnen: „Wenn sie bei uns arbeiten, erhöhen sie die Wohlfahrt unseres Staates.“
Davon unabhängig hält der Ökonom aktuelle Arbeitslosenstatistiken für „extrem diskussionswürdig“. Es handle sich hierbei in vielerlei Hinsicht um ein „scheinheiliges Spiel“. Man müsste beispielsweise die hohe Zahl an Frühpensionen berücksichtigen, bei denen es sich in Wahrheit mitunter oft auch um eine Art „versteckte Arbeitslosigkeit“ handle, die im Laufe der Jahre in einer Frühpension endete. Der Bund habe zuletzt 12 Milliarden Euro jährlich für Frühpensionen zuschießen müssen. Außerdem müsste man Nicht-Beschäftigte, die sich in einer AMS-Bildungsmaßnahme befinden und aktuell nicht den Arbeitslosen zugezählt werden, oder junge Akademiker, die noch im Hotel Mama wohnen und keinen Job finden, zu den Arbeitslosen rechnen: „Das wäre dann eine ehrliche Statistik“, sagt der Volkswirtschaftsprofessor.
Neue Gesichter der Arbeitslosigkeit
Susanne R. (24), Innsbruck
1.