Deutscher Wirtschaftsweiser sieht Schuldenproblem Österreichs
Wien (APA) - Der Vorsitzende der deutschen Wirtschaftsweisen, Christoph Schmidt, sieht die österreichische Volkswirtschaft zwar wie einen Ho...
Wien (APA) - Der Vorsitzende der deutschen Wirtschaftsweisen, Christoph Schmidt, sieht die österreichische Volkswirtschaft zwar wie einen Hochleistungsmotor laufen. „Aber so ein Hochleistungsmotor ist auch verletzlich“, mahnte er via Liveschaltung aus Berlin bei der „1. Industrie-Konferenz“ der Industriellenvereinigung (IV) in Wien. Verletzlich sei Österreichs Volkswirtschaft etwa ob der hohen Staatsschulden.
„Die staatliche Verschuldung in Österreich ist ein Signal, etwas zu tun, um die Volkswirtschaft resilienter (widerstandsfähiger, Anm.) zu machen“, so Schmidt vor zahlreichen Zuhörern im Festsaal des Hauses der Industrie. Gerade bei Hochleistungsmotoren könnten kleine Fehler sich zu großen auswachsen, mahnte er bildhaft ausgedrückt.
Als weitere Handlungsfelder bezeichnete Schmidt auch das tatsächliche Pensionsantrittsalter in Österreich. Bei Frauen gehöre sowohl der Anteil der Erwerbstätigkeit erhöht - wozu Beruf und Familie besser zu vereinbaren seien - als auch der Teilzeitanteil gesenkt. Bei vollzeit-beschäftigten Männern könne die Wochenarbeitszeit etwas gedrückt werden.
Auch die Verzahnung von Wissenschaft und Unternehmen könnte besser sein, so Schmidt sinngemäß. Es gehe darum, ob Ideen bzw. Forschungsergebnisse überhaupt bei den Firmen ankämen.
Ganz global betrachtet stellte Schmidt fest, dass der Abschwung der Wirtschaftswachstumsdaten der vergangenen 60 Jahre dem Trend des Realzinses entsprach. Der Realzins sei mit dem Potenzialwachstum verknüpft.
Aufgrund verschiedener weiterer globaler und nationaler Faktoren - etwa dass neue aufstrebende Unternehmen wie Facebook eine geringe Kapitalintensität haben und wenig Investitionsgüter nachfragen - kam Schmidt zum Schluss, dass ein Szenario eines lang anhaltenden Niedrigwachstums in Österreich „unwahrscheinlich aber nicht unmöglich“ sei.
Schmidt beleuchtete mögliche Auswirkungen einer etwaigen längeren Phase eines „Niedrigwachstums“. IV-Präsident Georg Kapsch hatte zuvor ausgeführt, dass die EU und gerade Österreich beim Wirtschaftswachstum der Welt hinterherhinkten. Es gehe darum, Optionen herauszuarbeiten, die es bei minimalen Wachstum gebe, um Arbeitsplätze oder soziale Transfers und den Wohlfahrtsstaat europäischer Prägung zu erhalten, so der Industriellen-Präsident.
Einen kleinen Seitenhieb Richtung Forum Alpbach verkniff sich Kapsch nicht: Er sagte, die 1. Industrie-Konferenz sei von der IV auch „in Reaktion auf das Ausscheiden aus dem Forum Alpbach“ organisiert worden.
Schmidt präsentierte die Ergebnisse einer Studie, die die Industriellenvereinigung beim „Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung“, dem er vorsteht, und beim „Institut der deutschen Wirtschaft Köln“ beauftragt hatte. Sie trägt den Titel „Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft unter Minimalwachstumsbedingungen“.
Vizekanzler und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) sagte vor den Gästen im Haus der Industrie, das System in Österreich gehöre in den bekannten Feldern effizienter gemacht, um auch das Wachstum anzukurbeln. So gehe es am Arbeitsmarkt um eine raschere Vermittlung - auch mit strengeren Zumutbarkeitsregeln als Anreiz zur Arbeitsaufnahme. Auch die Integration von Flüchtlingen solle als Chance genutzt werden. Die Wirtschaft sei „im Endeffekt zu wenig breit“ aufgestellt - es gebe mehr Möglichkeiten, Geschäfte etwa über Green Technologies zu erschließen. „Das gebe ich Ihnen mit als Hausaufgabe“, sagte der Vizekanzler zu den Industriellen.
~ WEB http://www.iv-net.at/ ~ APA373 2015-09-24/13:36