„Wir haben das Recht, als Katalanen zu existieren“
Madrid/Barcelona (APA) - Kataloniens Separatisten winkt bei den plebiszitären Regionalwahlen am Sonntag eine knappe absolute Mehrheit. Sollt...
Madrid/Barcelona (APA) - Kataloniens Separatisten winkt bei den plebiszitären Regionalwahlen am Sonntag eine knappe absolute Mehrheit. Sollten die jüngsten Wahlumfragen sich bewahrheiten, wollen Kataloniens nationalistischer Ministerpräsident Artur Mas und die anderen Parteien der separatistischen Einheitsliste „Junts pel si“ sofort Verhandlungen mit Madrid aufnehmen.
Der Plan steht fest: „Wir werden eine katalanische Verfassung erarbeiten und spätestens in 18 Monaten die Unabhängigkeit der Region von Spanien erklären - auch gegen den Willen Madrids“, versichert Adam Casals, Vertreter der katalanischen Regionalregierung in Österreich, im APA-Gespräch. „Die internationale Menschenrechtskonvention garantiert den Völkern das Selbstbestimmungsrecht. Wir haben das Recht als Katalanen zu existieren. Früher oder später wird die internationale Gemeinschaft dieses Recht auch zusprechen“, so Casals weiter.
Die spanische Zentralregierung stellt sich allerdings vehement gegen die Abspaltung und spricht auch den plebiszitären Charakter der Regionalwahlen ab. Sie kann sich auf die spanische Verfassung berufen, die klar von der „unlöslichen Einheit der spanischen Nation“ spricht. „Ich glaube aber nicht, dass sich Spanien bis in alle Ewigkeit vor Verhandlungen drücken kann. Wenn die Mehrheit der Katalanen sich für die Unabhängigkeit ausspricht, wird Spanien dies über kurz oder lang nicht verhindern können“, meint Casals.
Das Wahlergebnis sei ungewiss. Aber der Unabhängigkeitsmarsch am 11. September, dem katalanischen Nationalfeiertag Diada, habe gezeigt, dass eine große Mehrheit die Loslösung von Spanien wünsche, meint der katalanische Delegierte. „Über eineinhalb Millionen Menschen haben auf der Diada friedlich für die Unabhängigkeit Kataloniens demonstriert. Das kann Madrid nicht einfach ignorieren“, so Casals.
Seine Regionalregierung hätte gerne ein Unabhängigkeitsreferendum wie im vergangenen Jahr in Schottland durchgeführt. „Da Madrid sich aber im Gegensatz zu London permanent weigert, auch nur über das Thema zu reden, sind wir zu diesen plebiszitären Regionalwahlen gezwungen, damit die Katalanen ihre Meinung äußern können“, sagt Casals.
Die Versuche der spanische Zentralregierung, die Bevölkerung nun mit Warnungen vor den wirtschaftlichen Folgen der Unabhängigkeit und dem Rauswurf aus der Europäischen Union und der Euro-Zone zu verunsichern, wehrt er ab.
„Sollte man uns aus der EU ausschließen, werden wir halt ein Andorra im Großformat, das mit der EU Handelsverträge bis zur Wiederaufnahme abschließt. Aber ich bezweifle, dass die EU - und auch Spanien - allein wirtschaftlich daran interessiert sind, einen potenziellen Netto-Zahler und 7,5 Millionen Einwohner, die seit 1986 überzeugte Europäer sind, einfach vor den Toren warten zu lassen“, gibt sich Adam Casals zuversichtlich.
Vielen Katalanen, die sich nach einem eigenen Staat sehen, gehe es um nationale Identität, um die Erhaltung der eigenen Kultur und ein Ende der sprachlichen Diskriminierung des Katalanischen. Doch sieht er nicht einmal wirtschaftliche Vorteile, Teil Spaniens zu bleiben.
„In den vergangenen Jahren wurden von Madrid permanent Investitionen in Kataloniens Infrastruktur verhindern, die selbst die EU als strategisch wichtig bezeichnete“, so der Regierungsdelegierte aus Barcelona. Er spricht von ausbleibenden Subventionen für den wichtigen Bahn-Mittelmeerkorridor, dem Ausbau des Hafens von Tarragona oder der Weigerung Madrid, den Flughafen von Barcelona für mehr internationale Verbindungen zu öffnen.
Seine Regionalregierung beschwere sich auch nicht, dass die Katalanen mit Milliarden anderen, strukturschwächeren Regionen helfen. „Das Problem ist, wir erhalten von unseren jährlich 16 Milliarden an Madrid abzuführenden Steuern nichts zurück“, versichert Adam Casals.
Spaniens Zentralregierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy habe ein Problem mit der Vielfalt. Nur so könne er sich die „brutale Rezentralisierung“ des Landes vor allem unter der regierenden konservativen Volkspartei erklären. Eine eigene Regierung könne die katalanischen Interessen besser vertreten. Ob das die Mehrheit der Katalanen auch so sieht, wird sich am kommenden Sonntag bei den Regionalwahlen zeigen.
(Das Gespräch führte Manuel Meyer/APA)