Tirol

Tanzcafé: Junggebliebe sagen jeden Monat „Hello Again“

Lebensfreude pur: Nach dem Aufwärmen mit Foxtrott wird Rock ’n’ Roll getanzt.
© Vanessa Weingartner / TT

Wenn man von der Generation 80 plus spricht, stehen körperliche Leiden im Mittelpunkt. Beim Tanznachmittag des Pensionistenverbandes steppt aber der Bär.

Von Alexandra Plank

Innsbruck –Es ist Freitagnachmittag. An der Eingangstür zum Mehrzwecksaal O-Dorf hängt ein Zettel, der verkündet, dass das Duo Mike und Helli heute ausfällt und Erwin dafür für Stimmung sorgt. Die Senioren, die eintröpfeln, sind motiviert: „Jetzt geht’s auf“, sagt ein älteres Semester. Der 75-jährige Herbert sitzt beim Einlass. Vor ihm steht die Spendenbüchse. „Hoffentlich kommen noch ein paar“, sagt er. Die fünf langen Tischreihen sind noch spärlich gefüllt. Früher seien immer bis zu 150 Leute zum Tanzcafé gekommen, mittlerweile seien es nur noch rund die Hälfte.

Man leide unter Nachwuchssorgen, sagt Herbert: „Meine Schwester ist ein Jahr jünger als ich, aber sie sagt, was soll ich denn bei den alten Leuten.“ Mit 74 zählt man hier tatsächlich zu den Jüngeren. So wie Erika Oschischnig, die Chefin der Tanzveranstaltung. Die gepflegte Erscheinung hielte es aber für verzichtbar, dass ihr Alter genannt wird. Inzwischen hat Erwin, der Alleinunterhalter, zur Gitarre gegriffen und intoniert den Schlager „Hello again“. Sofort füllt sich die Tanzfläche, man sieht gemischte Paare, aber vor allem auch viele Frauen, die miteinander tanzen. „Hier hat keiner einen Genierer, hier wird einfach losgetanzt“, sagt Oschischnig.

Der Frauenüberhang sei ein Problem, erzählt Herbert. „In letzter Zeit trauen sich die Herren der Schöpfung aber vermehrt her.“ Eine Verjüngung wünschen sich alle, die Seelen der Veranstaltung sind aber die rüstigen 80 plus, die das Partymachen noch nicht verlernt haben. So wie Gerti (90) und Inge (84). Bezüglich amouröser Verstrickungen, so manches Paar hat sich hier gefunden, gibt sich Inge resolut: „Ich lache mir hier keinen Mann an, ich will ja kein Antiquariat aufmachen.“ Gerti wiederum hat einen Freund, der wie sie sagt, „ein Freund“ ist. Allerdings sei er jetzt schon so lange an ihrer Seite, dass es für sie mittlerweile okay sei, wenn er auf ihrer Parte als ihr „Freund“ aufscheint. Da sie sich von einer Grippe auskurieren musste, hat Gerti den Sommer in Kroatien am Nacktbadestrand verbracht. Den Rekord in Sachen Alter hält sie nicht. Margarete ist 96 Jahre alt. „Nur hier ist etwas für uns los, alles andere ist langweilig“, sagt sie. Sie fährt noch Auto. „Bitte erwähnen Sie meinen vollen Namen nicht, sonst kommen die nachschauen, ob ich nicht schon gaga bin.“ Den Eindruck macht sie genauso wenig wie die anderen. Alt werden wollen alle, alt sein will niemand, heißt es. Gesetzt den Fall man hätte mit 80 plus noch so eine Lebenfreude, könnte man sich das Altwerden doch überlegen.

Alois hat in der Pension begonnen, in einem kleinen Notizbuch auf Italienisch Tagebuch zu führen und zu zeichnen. So mancher Tanznachmittag ist verewigt.
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Martina Gastl mit ihrer Schwester Erika Oschischnig.
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Alleinunterhalter Erwin sorgt für gute Stimmung.
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Gerti (90) und Inge (84) sind von der Tanzfläche nicht mehr wegzubekommen.
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