VW-Dieselskandal - Manager-Versicherungen müssen bangen

Wolfsburg/Frankfurt (APA/Reuters) - Die Affäre um manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen ist derzeit auch bei vielen Versicherungen Gespräch...

Wolfsburg/Frankfurt (APA/Reuters) - Die Affäre um manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen ist derzeit auch bei vielen Versicherungen Gesprächsthema Nummer 1. Denn auf die Assekuranz können wegen des Skandals beim weltgrößten Autobauer Belastungen von mehreren hundert Millionen Euro zukommen, wie mehrere Branchenmanager der Nachrichtenagentur Reuters sagten.

Zittern müssen aus ihrer Sicht vor allem die Konzerne, die bei Schadensersatzforderungen gegen Vorstände und Aufsichtsräte einspringen. Zu den größten Anbietern von solchen Versicherungen für Directors & Officers (D&O) in Deutschland zählen Zurich, Allianz, Talanx und AIG.

„VW und seine Spitzenmanager müssen sich weltweit auf eine Vielzahl von Klagen einstellen“, erklärten die Experten der Anwaltskanzlei RPC am Donnerstag. D&O-Versicherungen kommen in der Regel für Schadensersatzansprüche gegen Manager sowie für Gerichts- und Anwaltskosten auf - allerdings nur bis zu einem bestimmten Betrag. Bei einem Unternehmen wie VW liege die Obergrenze vermutlich im Bereich von 500 Mio. Euro, erklärten mehrere D&O-Experten. Den Großteil der Belastungen, die im Milliarden-Bereich liegen dürften, muss der Wolfsburger Konzern somit selbst schultern.

Vorstände und Aufsichtsräte könnten für Regelverstöße zur Rechenschaft gezogen werden, wenn sie an ihnen beteiligt waren oder davon wussten. Sie können jedoch auch zur Kasse gebeten werden, wenn sie es versäumt haben, Kontrollsysteme zu etablieren, um Manipulationen aufzudecken. D&O-Versicherungen springen in der Regel nur ein, wenn Spitzenmanager fahrlässig gehandelt haben. Bei Vorsatz zahlen sie nicht. Ein VW-Sprecher wollte sich zu dem Thema nicht äußern. Der am Mittwoch als VW-Chef zurückgetretene Martin Winterkorn hatte erklärt, er sei sich keines Fehlverhaltens bewusst.

D&O-Versicherungen werden von den Unternehmen abgeschlossen und bezahlt, weil Schadenersatzforderungen das Vermögen von Vorständen meist deutlich übersteigen. Wegen der Manipulation von Abgaswerte drohen Volkswagen alleine in den USA Strafzahlungen von bis zu 18 Mrd. Dollar (16,1 Mrd. Euro). Zudem sind in Amerika mindestens zwei Dutzend Klagen in sieben Bundesstaaten eingereicht worden. Die Anwälte argumentieren damit, dass VW die Kunden getäuscht habe, die mehr gezahlt hätten, um vermeintlich umweltfreundliche Autos zu fahren.

VW muss wegen des Skandals Autos zurückrufen und stellt alleine dafür 6,5 Mrd. Euro zurück. Auch gegen Rückrufaktionen können sich Autohersteller versichern, die Obergrenze liegt hier Insidern zufolge meist bei 100 Mio. Euro. Experte Richard Leedham von der Londoner Kanzlei Mishcon de Reya glaubt allerdings nicht, dass Volkswagen im aktuellen Fall Geld von der Assekuranz bekommt. „Da die Vorgänge offenbar intern bekannt waren, ist es aus meiner Sicht unwahrscheinlich, dass bei diesem Rückruf eine Versicherung einspringt.“

Die D&O-Versicherungen könnten sich mit VW am Ende auf einen Vergleich verständigen, glauben Branchenkenner - ähnlich wie Siemens nach der Korruptionsaffäre Anfang des Jahrtausends. Da es häufig strittig ist, für welche Verfehlungen die Assekuranz eintreten muss und für welche nicht, einigen sich die Versicherungen mit den Konzernen am Ende meist auf eine Summe, die für beide Seiten vertretbar ist. Siemens hatte für seine Spitzenmanager damals einen Versicherungsschutz von maximal 250 Mio. Euro abgeschlossen, gab sich am Ende aber mit der Zahlung von 100 Mio. Euro zufrieden.

~ ISIN DE0007664039 WEB http://www.volkswagenag.com ~ APA473 2015-09-24/15:24