Tirol

Abdalhammeds viele Träume

© Andreas Rottensteiner / TT

Er hat die Flucht, die Gefahren schon hinter sich: Abdalhammed Altamimi aus Syrien lebt seit drei Jahren in Österreich. Sein Traum: Fotograf zu werden – eine erste Ausstellung von ihm wird demnächst eröffnet.

Von Irene Rapp

Innsbruck –Was für Träume kann man haben, wenn man in Syrien lebt? Frieden nach vier Jahren Krieg? Damit man auch wieder von etwas anderem träumen kann? „Ich habe viele Träume. Aber die konnte ich in Syrien nicht erreichen“, erzählt Abdalhammed Altamimi – er spricht wohlüberlegt und in gutem Deutsch. Seit drei Jahren lebt der 22-Jährige in Österreich. Und seine Geschichte findet sich in den Geschichten all jener wieder, die derzeit zu Tausenden aus den Krisenherden im Osten nach Europa strömen.

Wobei der Krieg Altamimi schon zweimal eingeholt hat: „2003 floh meine Familie deswegen aus dem Irak nach Syrien. Und neun Jahre später bin ich wegen des Krieges nach Europa geflüchtet.“ Das Wort Flüchtling hört er allerdings nicht gerne. „Sprechen Sie bitte von Menschen auf der Flucht, Flüchtling ist ein Schimpfwort“, bittet er.

Vor der zweiten Flucht lebte der Iraker in Damaskus, der Hauptstadt von Syrien, ging auf die Universität. Schon damals war das Fotografieren sein Hobby, „aber da habe ich es noch nicht so gut beherrscht“. Doch er hatte Träume: Fotograf zu werden, „weil das ist Leben für mich“. Doch der Krieg in Syrien und die ständige Angst bewogen den jungen Mann dazu, die Flucht anzutreten. „Mein Vater hat für mich und meine Geschwister Geld auf die Seite gelegt.“ Geld, das er für die Flucht verwendete und hauptsächlich an die Schlepper bezahlte. Von der Türkei ging es in einem Lkw mit anderen Flüchtlingen vier Tage nach Österreich: ohne weite Strecken zu Fuß gehen zu müssen, aber auch ohne ein einziges Mal auszusteigen.

Traiskirchen, dann Flüchtlingseinrichtungen in Tirol, jetzt eine eigene Wohnung in Innsbruck: Seit Juni 2012 lebt der Iraker in Österreich. Seit 26. Februar gilt er als subsidiär Schutzberechtigter – „bestimmte Daten merkt man sich“. Die Zeit hier in Österreich hat der junge Mann gut genutzt: Er brachte sich selbst Deutsch bei – „Deutsch lernen ist so schwer wie das Leben ohne Wasser“ – und ging wieder mit der Kamera auf Motivsuche. Porträts und Street Photography sind seine Leidenschaft, die Bilder stellt er auf seine Facebook-Seite.

Und dann kam der Schneeball ins Rollen: Die Deutsche Ute Annemarie Schuster entdeckte seine Fotos im Internet, schrieb immer wieder von ihr verfasste Gedichte dazu. Zeilen, die Altamimi nicht verstand, „aber ich habe es gegoogelt“. Später kam es zu einem Treffen und zum Buch „Fundstücke: Am Rande der Straße“ (verlag art of arts).

Der Inhalt: Altamimis Fotos von unterschiedlichen Menschen, erweitert um Schusters Gedichte. „Meine Eltern sind stolz auf mich“, erzählt der 22-Jährige, und dass sie ihm fehlen. Vater und Mutter seien alt, leben nach wie vor in Damaskus, weil die Flucht für sie zu beschwerlich und gefährlich wäre. „Die Schlepper behandeln Menschen wie Tiere“, sagt Altamimi, und er wird wissen, wovon er spricht.

Bald können seine Eltern wieder stolz auf ihn sein. Am 7. Oktober werden im Fotoforum (Innsbruck, Adolf-Pichler-Platz 8) Fotos von ihm gezeigt, die in Tiroler Flüchtlingsheimen entstanden sind. Abgebildet sind Menschen, versehen mit ihren Geschichten. „Das Projekt ist mit einem Professor und Studenten der Technischen Universität Innsbruck entstanden“, berichtet er, die Freude ist ihm anzusehen.

Altamimi hat viele Träume: Fotograf wäre ein Berufswunsch, oder Grafiker. Und Altamimi steht gern auf der Bühne, als Comedian. In Wien hätte er das einmal probiert und es sei großartig gewesen. „Ja, ich habe viele Träume. Und vielleicht erreiche ich sie auch hier nicht alle. Aber zumindest bin ich in Sicherheit.“

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