Ungarn verzeichnete neuen Rekord bei ankommenden Flüchtlingen
Budapest (APA/AFP/dpa/MTI) - Ungarn hat bei der Zahl der ankommenden Flüchtlinge erneut einen Rekord verzeichnet: Wie die Polizei am Donners...
Budapest (APA/AFP/dpa/MTI) - Ungarn hat bei der Zahl der ankommenden Flüchtlinge erneut einen Rekord verzeichnet: Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, kamen am Vortag über 10.000 Schutzsuchende ins Land und damit erneut so viele wie noch nie an einem einzigen Tag. Die meisten Flüchtlinge kommen seit der Grenzschließung zu Serbien über Kroatien nach Ungarn, von dort werden sie Richtung österreichische Grenze gebracht.
Rund hundert der insgesamt 10.046 am Mittwoch gezählten Flüchtlinge kamen über die serbische Grenze nach Ungarn, alle anderen über Kroatien. Zuvor hatte Ungarn am 14. September - einen Tag bevor die verschärften Einwanderungsgesetze in Kraft traten - einen Rekord verzeichnet, als an einem Tag knapp 9.400 Asylsuchende ankamen.
Nachdem Ungarn in der vergangenen Woche seine Grenze zu Serbien dichtgemacht hatte, waren die Flüchtlinge auf der sogenannten Balkanroute rasch auf Kroatien als Transitland ausgewichen. Dort allerdings waren die Behörden schon nach kurzer Zeit überfordert und begannen damit, die Flüchtlinge an die ungarische Grenze zu bringen.
Von Ungarn aus werden die Schutzsuchenden weiter nach Österreich gebracht. Im Burgenland kamen am Grenzübergang Nickelsdorf am Donnerstag bis zum frühen Nachmittag rund 5.000 Flüchtlinge über die Grenze gekommen. Das Rote Kreuz rechnete mit 7.000 bis 10.000 Flüchtlingen, die im Lauf des Tages ankommen sollten.
Zwischen dem ungarischen Premier Viktor Orban und Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) kam es indes zu einem neuerlichen verbalen Schlagabtausch. Orban kündigte nach dem EU-Sondergipfel in Brüssel an, er werde auf einen angeblichen Vorschlags Faymanns hin erwägen, seine Bemühungen zum Bremsen des Flüchtlingsstroms beenden und sämtliche Flüchtlinge durchreisen lassen. Faymann habe eindeutig gesagt, „wenn wir die Migranten nur mittels eines Zaunes stoppen können, dann sollen wir sie lieber durchlassen“, so Orban. „Das müssen wir letztlich erwägen“.
Faymann konterte mit einer Erklärung, in der er den ungarischen Regierungschef aufforderte die Gesetze einzuhalten. „Das gilt sowohl für die Schengen- und Dublin-Regelung als auch für Menschenrechte und das Recht auf Asyl“, so der Bundeskanzler.
Bei dem Gipfel am Mittwochabend dürfte es zu einer Konfrontation zwischen Faymann und Orban gekommen sein. EU-Ratspräsident Donald Tusk räumte eine solche nach dem Treffen ein. „Sie können sich vorstellen, dass die Diskussion zwischen dem ungarischen Premierminister und dem österreichischen Kanzler sehr energiegeladen war“, sagte Tusk.
In Ungarn wächst angesichts des nicht abreißenden Flüchtlingsstrom die feindliche Stimmung gegen die Flüchtlinge. Eine Mehrheit befürwortet laut einer Umfrage des Instituts „Nezöpont“ den Bau des umstrittenen Grenzzauns an der Grenze zu Serbien. Nur 28 Prozent der Befragten sprach sich für die Verteilung der ankommenden Schutzsuchenden innerhalb der EU per Quote aus, wie es am Dienstag von den EU-Innenministern beschlossen wurde. Der überwiegende Teil der Befragten macht die USA verantwortlich für die Flüchtlingskrise in Ungarn.