Volleyball

Schlammschlacht beim VC Tirol nach Trainer-Rauswurf

Ein Bild aus gemeinsamen Tagen: die VCT-Damen im Trainingslager mit Trainer Martin Peiske (r.).
© Facebook/VCT

Der neue Trainer beim Volleyballclub Tirol, Martin Peiske, ist nach nur 43 Tagen sein Amt wieder los. Der Deutsche macht seinem Ärger Luft, Obfrau Therese Achammer kontert – rund drei Wochen vor Saisonstart.

Von Sabine Hochschwarzer

Innsbruck –„Mir reicht’s, das lasse ich nicht auf mir sitzen“, ärgert sich Martin Peiske. Anfang August war der 44-Jährige als neuer Trainer beim Damenvolleyball-Bundesligisten VC Tirol angetreten, am Montag musste er bereits wieder gehen. Obfrau Therese Achammer gab an, sie habe die Reißleine ziehen müssen, und warf Peiske Vertragsbruch vor, die TT berichtete.

Konkret geht es darum, dass der Deutsche lediglich nebenberuflich arbeiten durfte, einen Hauptjob haben musste. „Das stimmt, aber ich hatte zuerst einen Job in Deutschland und jetzt in Innsbruck einen in Aussicht. Das wusste jeder, das war kein Geheimnis. Ich habe sogar angeboten, unentgeltlich zu arbeiten. Das jetzt als Grund zu nennen, ist einfach unglaublich“, schimpft Peiske. Seiner Meinung nach sei sein zu professionelles Denken der wahre Grund für die Trennung: „Ich sage eben, was ich denke.“ Da sei man aneinandergeraten, immer wieder.

Obfrau Therese Achammer sieht nur einen unausräumbaren Grund: „Die Nebenberuflichkeit wurde klar im Vertrag festgelegt und dann nicht eingehalten. Peiske hat nicht die Wahrheit gesagt.“ Als sie erfahren habe, er habe keinen Job, hätten bei ihr die Alarmglocken geschrillt: „Der Verein bekommt sonst finanzielle Probleme.“

Jetzt stehen noch Forderungen im Raum. Peiske sagt, die Erstattung seiner Kosten sei ihm bereits zugesichert worden. Mehr wolle er jetzt auch nicht, selbst wenn es ihm wohl zustehen würde.

Anders abrechnen wolle er nicht, stillschweigen aber auch nicht, vor allem gegenüber Therese Achammer, „Trainerin, Obfrau, Managerin, sportliche Leiterin und Vorstand in einem“, wie Peiske sie beschreibt. Bei seiner Präsentation schrieb der VCT, Achammer, zuletzt Co-Trainerin des zurückgetreten Dietmar Gassler, stehe dem neuen Coach beratend zur Seite. „Sie riss aber alles an sich. Therese entschied etwa über meinen Kopf hinweg, wer Kapitänin werden sollte“, beschreibt der Ex-Profi-Volleyballer „eine regelrechte Entmündigung“. Er habe Spielerinnen freigegeben, sie habe es revidieren wollen: „Meiner Meinung nach macht so was ein Co-Trainer und Vorstand einfach nicht.“

Achammer ärgert sich über diese Vorwürfe: „Das ist nicht wahr. Vielmehr wollte er unseren Verein komplett umkrempeln, hat sich in Dinge eingemischt, die ihn nichts angehen und ohne Absprache eigenmächtige Entscheidungen getroffen.“

Bereits vor etwa zwei Wochen sei die Situation eskaliert, behauptet Peiske: „Ich habe ihr gesagt, wenn sie ständig Entscheidungen trifft, die normalerweise das Team und der Trainer treffen, dann bin ich der falsche Mann.“ Er überlegte, hinzuschmeißen, entschied sich dann aber anders – nicht zuletzt wegen des Teams: „Eine geile Mannschaft mit großen Möglichkeiten.“ Achammer leiste für den Verein ja viel, mache eine tolle Arbeit, vor allem, was den Nachwuchs betreffe. „Sie liebt Volleyball, ich aber auch. Und es kann nicht nur eine Therese-Achammer-Philosophie geben. Die Zeiten ändern sich – auch trainingswissenschaftlich. Das muss sie irgendwann akzeptieren“, fordert der Lizenz-Trainer.

Die 73-jährige VCT-Obfrau kontert mit 18 Jahren Bundesliga-Erfahrung: „Ich habe eine Diplomtrainer-Ausbildung. Er nicht.“

Peiske beteuert, keine Schmutzwäsche waschen zu wollen, „aber irgendwann muss mal wer was sagen. Einige Spielerinnen trauen sich das gar nicht mehr. So geht man nicht mit Menschen um.“ Achammer entgegnet: „Jetzt schlägt er gegen mich.“ Der VCT sei ein Verein für die Jugend. Peiske sei engagiert, wolle sich aber nur profilieren und habe sich eingebildet, ein Weltmeisterteam zu formen, „auf Kosten unserer Jugend.“ Jetzt sei sie enttäuscht, aber froh, Trainerin zu sein: „So bleibt das Team nicht auf der Strecke.“

Peiske hingegen wünschte sich bis zuletzt, zurückkehren zu dürfen: „Ich bin enttäuscht, wünsche aber meinen Ladys von Herzen alles Gute.“

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