Mehr als 700 Tote in Massenpanik während Hadsch in Saudi-Arabien

Mekka (APA/AFP/dpa) - Mehr als 700 Menschen sind bei einer Massenpanik während der muslimischen Pilgerfahrt Hadsch in Saudi-Arabien gestorbe...

Mekka (APA/AFP/dpa) - Mehr als 700 Menschen sind bei einer Massenpanik während der muslimischen Pilgerfahrt Hadsch in Saudi-Arabien gestorben. Bei dem Unglück während der symbolischen Teufelssteinigung in Mina nahe von Mekka seien zudem mehr als 800 Gläubige verletzt worden, teilte der Zivilschutz des Landes am Donnerstag mit. Es handelt sich um das größte Unglück während des Pilger-Großereignisses seit 25 Jahren.

Auslöser des Unglücks am Donnerstagmorgen war den Behörden zufolge, dass eine Menschenmenge den Steinigungsort verlassen wollte, während eine andere Menge aus der Gegenrichtung kam. Auf Bildern war zu sehen, wie zahllose Leichen teils übereinander in der Straße in Mina lagen, wo sich hunderttausende Pilger versammelt hatten.

Die Zahl der Opfer mussten die Behörden im Laufe des Donnerstags mehrfach nach oben korrigieren. Am Nachmittag meldete der Zivilschutz mindestens 717 Tote und 863 Verletzte aus verschiedenen Ländern. Nach Angaben der amtlichen saudiarabischen Nachrichtenagentur waren mehr als 220 Rettungsfahrzeuge im Einsatz.

Der saudiarabische Gesundheitsminister machte fehlende Disziplin bei den Pilgern für das Unglück verantwortlich. Zahlreiche Pilger würden sich „in Bewegung setzen, ohne die Uhrzeiten zu respektieren“, die ihnen von den Verantwortlichen zur Organisation des Großereignisses vorgegeben werden, sagte Chaled al-Faleh im Fernsehen.

Das Innenministerium, das 100.000 Polizisten für das Pilgerereignis im Einsatz hat, warnte vor vorschnellen Schlüssen. Bei großer Hitze hätten sich viele erschöpfte Pilger zur gleichen Zeit am gleichen Ort befunden. Ein Pilger sprach von dem schlechtest organisierten Hadsch, den er erlebt habe. Die Menschen seien „ausgetrocknet“ gewesen und „in Ohnmacht gefallen“, sie seien übereinander gestolpert. Kronprinz Mohammed bin Najef ordnete eine Untersuchung an.

Der Iran warf Saudi-Arabien schwere Fehler bei den Sicherheitsvorkehrungen vor. Nach Angaben des iranischen Hadsch-Organisators Said Ohadi wurden aus „unbekannten Gründen“ Fußwege in der Nähe des Unglücksortes gesperrt. „Das löste diesen tragischen Vorfall aus“, sagte er dem iranischen Staatsfernsehen.

Die Pilgermassen waren in Mina zusammengekommen, um Steine auf drei Säulenwänden zu werfen. Bei dieser symbolischen Teufelssteinigung, dem letzten großen Ritual vor dem Ende des Hadsch, hatte es in der Vergangenheit schon mehrfach hunderte Tote wegen Gedränges oder einer Massenpanik gegeben. Die diesjährige Zahl der Todesopfer wird aber nur von einer Panik im Jahr 1990 übertroffen, als 1426 Pilger offenbar wegen einer ausgefallenen Belüftungsanlage in einem Fußgängertunel erstickten. Zuletzt waren im Jänner 2006 in Mina bei einer Massenpanik 364 Pilger getötet worden.

Seit fast einem Jahrzehnt war es wegen verbesserter Sicherheitsvorkehrungen zu keinen größeren Unglücken mehr gekommen. In diesem Jahr aber wurde die Pilgerfahrt schon vor ihrem Beginn von einem tragischen Unfall überschattet: Ein Baukran stürzte am 11. September auf einen Innenhof der Großen Moschee von Mekka, 107 Menschen starben und etwa 400 weitere wurden verletzt. Dennoch entschieden die Behörden, den Hadsch stattfinden zu lassen.

Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) brachten in Kondolenzschreiben an den saudiarabischen König ihre „Bestürzung“ über das Unglück zum Ausdruck, das mit dem muslimischen Opferfest Eid al-Adha zusammenfiel, dem wichtigsten Feiertag für die 1,5 Milliarden Muslime weltweit. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat sich tief betroffen vom Tod von mehr als 700 Pilgern bei einer Massenpanik während der islamischen Mekka-Wallfahrt gezeigt. Den Angehörigen der Opfer sprach Ban sein Beileid aus, wie die Vereinten Nationen in New York am Donnerstag mitteilten.

Der Hadsch ist das weltweit größte muslimische Pilgerereignis. Gemäß dem Koran muss jeder Muslim, ob Mann oder Frau, der gesund ist und es sich leisten kann, einmal im Leben zur heiligsten Stätte des Islam in Mekka pilgern. Der Hadsch geht am Sonntag zu Ende.

(Grafik 1103-15, 88 x 62 mm)