IS - Jihadisten bekannten sich offenbar zu Anschlag in Sanaa
Sanaa (APA/AFP/dpa/Reuters) - Bei einem Anschlag auf betende Muslime in einer Moschee der jemenitischen Hauptstadt Sanaa sind am Donnerstag ...
Sanaa (APA/AFP/dpa/Reuters) - Bei einem Anschlag auf betende Muslime in einer Moschee der jemenitischen Hauptstadt Sanaa sind am Donnerstag Dutzende Menschen getötet worden. Inzwischen bekannte sich offenbar die Jihadistenorganisation „Islamischer Staat“ (IS) zu dem Attentat, bei dem bis zu 27 Personen ums Leben gekommen sind. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilte den Selbstmordanschlag noch am Donnerstag aufs Schärfste.
Nach Angaben von Rettungskräften wurden dutzende weitere Menschen verletzt. Der Angriff ereignete sich in der Balili-Moschee unweit der Polizeiakademie der Stadt, als die schiitischen Gläubigen anlässlich des islamischen Opferfests Eid al-Adha ihr Morgengebet verrichteten.
Zeugen berichteten, zunächst habe es eine Explosion in der Moschee gegeben. Als die Gläubigen in Panik aus dem Gotteshaus gerannt seien, habe sich am Eingang des Gebäudes ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Ob auch die erste Explosion von einem Selbstmordattentäter stammte, war unklar. Aus medizinischen Kreisen hieß es am Donnerstag, ein Attentäter hatte sich am ersten Tag des islamischen Opferfestes in einem von den schiitischen Houthi-Rebellen kontrollierten Gebiet in die Luft gesprengt. Vorherige Berichte hatten von zwei Selbstmordattentätern gesprochen.
Unklar ist zudem, wieviele Menschen bei dem Attentat ums Leben kamen: In einer Quelle ist von bis zu 25 Toten und dutzenden Verletzten die Rede. Vorherige Berichte hatten von mindestens 27 Toten gesprochen. Andere Quellen gingen von einer niedrigeren Opferzahl aus: Die Houthis berichteten von zehn Toten und 22 Verwundeten.
Den Angehörigen der Opfer und allen Menschen im Jemen sprach Ban laut einer am Donnerstag von den Vereinten Nationen in New York verbreiteten Mitteilung sein Beileid aus. Für Angriffe auf religiöse Orte gebe es keine Rechtfertigung, sagte Ban. Der Vorfall müsse aufgeklärt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.
Sanaa wird seit rund einem Jahr von den schiitischen Houthi-Rebellen kontrolliert. Seit einigen Monaten gibt es immer wieder schwere Angriffe der IS-Fanatiker auf schiitische Muslime in Gotteshäusern. Auch zu dem Attentat vom Donnerstag bekannten sich inzwischen offenbar die IS-Anhänger. Der Anschlag habe sich gegen „Ungläubige“ gerichtet, hieß es in einer im Internet verbreiteten Mitteilung. Zunächst konnte allerdings nicht verifiziert werden, ob sie tatsächlich von den IS-Jihadisten stammt. Einer Quelle zufolge gehen die jemenitischen Sicherheitskräfte davon aus, dass IS-Anhänger für den Anschlag am Donnerstag verantwortlich sind.
Die IS-Extremisten, die große Gebiete im Irak und in Syrien kontrollieren, sehen Schiiten als Ketzer an. Erst Anfang September wurden bei einem IS-Anschlag auf eine Moschee in Sanaa mehr als 30 Menschen getötet und fast hundert weitere verletzt.
Im Jemen geht derzeit eine arabische Militärkoalition unter der Führung Saudi-Arabiens gegen die Houthi-Rebellen vor. Ziel des Einsatzes ist es, Sanaa zurückzuerobern und den Präsidenten Abd-Rabbu Mansour Hadi wieder an die Macht zu bringen. Erst am Dienstag kehrte Hadi nach sechsmonatigem Exil im benachbarten Saudi-Arabien in die jemenitische Hafenstadt Aden zurück.
Die Luftangriffe gegen die Rebellen hatten Ende März begonnen, Bodentruppen sind seit Juli im Einsatz. Die Unterstützung des Militärbündnisses ermöglichte es Hadis Truppen, die Houthi-Rebellen deutlich zurückzudrängen. Mitte Juli vertrieben sie die Aufständischen aus Aden.
Derzeit versucht das Bündnis, die aus dem Norden des Landes stammenden Rebellen aus der ölreichen Provinz Marib im Südwesten des Landes zu vertreiben. In dem Konflikt wurden nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) bereits etwa 5.000 Menschen getötet und 25.000 weitere verletzt, unter ihnen zahlreiche Zivilisten.