Ein neues Leben: Salzburger Landestheater zeigt „Die Wand“
Salzburg (APA) - Eineinhalb Stunden lang wurden die Kammerspiele des Salzburger Landestheaters gestern, Donnerstag, zur isolierten Bergwelt,...
Salzburg (APA) - Eineinhalb Stunden lang wurden die Kammerspiele des Salzburger Landestheaters gestern, Donnerstag, zur isolierten Bergwelt, in der Marlen Haushofers Roman „Die Wand“ spielt. Claus Trögers Inszenierung erschafft trotz kleinem Bühnenraum große Landschaften, was auch Britta Bayers tiefgründigem Spiel zu verdanken ist.
Lange galt das 1963 erschienene Werk als unaufführbar. Vor drei Jahren traute man sich am Wiener Burgtheater und auf der Kinoleinwand letztlich doch an den Stoff der 1970 gestorbenen Autorin. Nun wird also auch in Salzburg die Geschichte einer Frau aufgeführt, die über Nacht durch eine unsichtbare Wand von der Außenwelt abgeschnitten wird und fortan auf sich alleine gestellt ist. Außer mit geschichtetem Holz und einer grauen Hauswand wird ihre Umgebung nicht genauer definiert (Bühne Eva Musil).
Hier muss Britta Bayer als „die Frau“ nun ein neues Leben in Einsamkeit beginnen. Sie lässt deren Persönlichkeit äußerst vielseitig erscheinen. Zu Anfang noch kontrolliert, gewährt sie in ihrem Monolog immer wieder Einblicke in die innere Zerrissenheit der Figur. Im einen Moment von Zahnschmerzen fast zum Wahnsinn getrieben, erzählt sie im nächsten trocken von der plötzlichen Erscheinung einer Milchkuh. Sie kann sich immer wieder fassen, das ist es auch, was Bayer in ihrer Rolle so glaubhaft macht.
Die Tiere als Ansprechpartner sind die einzigen, die der Frau noch tiefe Emotionen entlocken können. Tröger überlässt in deren äußerlicher Gestaltung das Publikum seiner eigenen Fantasie, indem Bayer den Umgang mit den Tieren, wie vieles andere auch, immer nur andeutet, indem sie zum Beispiel in die Richtung des Hundes pfeift, oder die Katze hinter dem Holz sucht.
„Die Frau“ erzählt diese gegenwärtigen Geschehnisse, während eine aus dem Off klingende Frauenstimme (Elisabeth Bayer) die Handlung immer wieder als rückblickenden Bericht kommentiert. „Die Wand“ bietet vielerlei Interpretationsmöglichkeiten dieser Gedankenerzählung. Claus Trögers Inszenierung glänzt gerade damit, dass sie dem Salzburger Publikum genügend Platz für die eigenen lässt. Das dankt es ihm mit minutenlangem Applaus.
(S E R V I C E - „Die Wand“, von Marlen Haushofer, Bühnenfassung von Dorothee Harting. Salzburger Landestheater. Regie: Claus Tröger, Bühne und Kostüme: Eva Musil. Auf der Bühne: Britta Bayer als Die Frau. Nächste Vorstellungen: 27. September sowie 3., 6., 11., 19., und 22. Oktober, am 10. November sowie am 18. und 19. Dezember. Karten: 0662 / 87 15 12-0, http://www.salzburger-landestheater.at)