Wohnungsvergabe wird in Wörgl zum Streitfall
Sozialreferentin Treichl wirft im Wohnungsausschuss das Handtuch: Sie und GR Aufschnaiter orten freie Vergaben der Stadtchefin.
Von Wolfgang Otter
Wörgl –Knalleffekt im Wohnungsausschuss des Wörgler Gemeinderats: Vizebürgermeisterin Sozialreferentin Evelyn Treichl (ÖVP) und Elke Aufschnaiter (Team Wörgl) werfen das Handtuch. Treichl bleibt aber Obfrau des Sozialausschusses und Sozialreferentin, Aufschnaiter ihre Stellvertreterin. Damit sind zwei der fünf Mandatare des von SPÖ (1), Team Wörgl (1), ÖVP (2) und Freiheitlicher Wörgler Liste, FWL (1) besetzten Gremiums zurückgetreten.
Der Wohnungsausschuss, der zirka einmal im Monat tagt, ist ein vorberatendes Gremium und Unterausschuss des Sozialausschusses. Die Wohnungsvergabe unterschreiben und damit genehmigen muss letztlich Bürgermeisterin Hedi Wechner (SPÖ). „Fünfeinhalb Jahre lang hat die Zusammenarbeit bestens funktioniert“, betonen Treichl und Aufschnaiter.
Jetzt aber sei angesichts der nahenden Kommunalwahlen im Februar 2016 Sand ins Getriebe gekommen. „Es kommt immer öfter vor, dass Leute in die Sprechstunde kommen und sagen, dass sie eine Zusage für eine Wohnung von der Bürgermeisterin haben“, schildern die ehemalige Referentin und ihre Stellvertreterin. Nicht nur das: In zwei Fällen habe Wechner einfach über den Kopf des gesamten Ausschusses hinweg zwei Wohnungszuweisungen vorgenommen und damit das Häferl zum Überkochen gebracht.
„Ich habe nie eine Wohnung frei vergeben“, weist hingegen Bürgermeisterin Wechner den Vorwurf zurück. Auch nie verbindlich versprochen. „Wenn die beiden ihren Arbeitsaufwand reduzieren wollen, dann ist das ihre Sache. Ich bin aber nicht bereit, dafür als Grund herzuhalten“, sagt die Stadtchefin. Und für den Wahlkampf sei das Thema auch gänzlich ungeeignet, da er so auf dem Rücken der Wohnungssuchenden ausgetragen werden würde, meint Wechner.
Für BM Wechner gibt es aber ohnedies keine Konsequenzen: „Die Wohnungen werden weiter vergeben.“ Wenn nicht mehr vom Unterausschuss, dann „eben vom Sozialausschuss“. Auswirkungen könnte es höchstens auf die Sprechstunden geben, falls sich niemand aus dem Unterausschuss findet, der sie abhält. „Aber meine Sprechstunden drehen sich bereits jetzt großteils um Wohnungsanfragen“, sagt Wechner.