Guter Start am Grazer Schauspielhaus: „Merlin“ als Puppen-Welttheater
Graz (APA) - Eine fantasievolle Menschheitsgeschichte hat das Grazer Schauspielhaus am Donnerstag mit Tankred Dorsts „Merlin“ als erste Prem...
Graz (APA) - Eine fantasievolle Menschheitsgeschichte hat das Grazer Schauspielhaus am Donnerstag mit Tankred Dorsts „Merlin“ als erste Premiere der neuen Direktion auf die Bühne gebracht. Zusammen mit den Puppen von Michael Pietsch gelang dem spielfreudigen Ensemble ein unterhaltsamer Abend. Der Regie von Jan-Christoph Gockel fehlte allerdings eine klare Linie, wodurch es bei einem bunten Textpotpourri blieb.
Tankred Dorsts „Merlin oder Das wüste Land“ ist ein monumentaler Text, der immer nur in Bruchstücken aufgeführt werden kann. Neo-Intendantin Iris Laufenberg setzte auf das rund 30 Jahre alte, aber wunderbar zeitlose Stück, um einen effektvollen Saisonstart hinzulegen. Die Rechnung ging großteils auf, denn langweilig wurde es auch in vier Stunden nicht. Der Bogen wurde von Merlins Geburt bis zum Ende der Welt erzählt, wobei der Zauberer als kleine Holzpuppe und in Person des Puppenspielers Michael Pietsch anwesend war. Das funktionierte bei einigen Szenen wie dem Schlussbild ganz gut, bei anderen weniger, allerdings verschwand Merlin nach der Pause sowieso fast aus dem Geschehen.
Die Bühne (Julia Kurzweg) beherrschte ein riesiger Baum, der später gefällt wurde und als Zeichen des nahen Untergangs liegen blieb. Rund um den Stamm wurde der Tisch der Tafelrunde gebaut, was dem Gedanken völlig widerspricht, denn alle Ritter - wobei es bei einer mickrigen Runde von fünf, sechs Personen blieb - konnten dadurch nur in den Baumstamm starren. Die einzelnen Geschichten wurden angerissen, aber keine fertigerzählt, was nicht an Dorsts Vorlage lag. Am Ende fielen die Ritter einfach um, der letzte Krieg, der sehr eindrucksvoll mit einer Puppenarmee dargestellt wurde, markierte das Ende. Der Liebesgeschichte zwischen Ginevra und Lancelot hatte schöne Momente, während Szenen wie jene von Mordred mit dem Engel zwar gespielt, aber völlig verschenkt wurden.
Das Ensemble erwies sich als ungemein wandlungsfähig und ambitioniert. Michael Pietsch stahl sich mit seiner Merlin-Puppe oft selbst die Schau, konnte er doch auch als Schauspieler wirklich überzeugen. Florian Köhler war ein starker Sir Lancelot, der mühelos immer wieder den Spagat zwischen Komik und Tragik schaffte. Als König Artus zeigte Fredrik Jan Hofmann die perfekte Mischung aus Schwäche, Gutmütigkeit und angelernter Königswürde. Evamaria Salcher formte eine schöne, aber keineswegs blasse Ginevra, die sich gegenüber ihrer Nebenbuhlerin zu behaupten wusste.
Weniger unbedarft als vielmehr ziemlich derb stampfte Julia Gräfner als mitunter schwer verständlicher Parzival durch das Geschehen, während sie als Elaine Talent zur Komik unter Beweis stellte. Franz Solar (Sir Gawain, Herzeloide, Sir Larmorak) hielt mit seiner Präsenz besonders als Sir Gawain mitunter das Geschehen zusammen, Raphael Muff (Sir Kay) und Benedikt Greiner (Mordred) gaben ihren Rittern im Rahmen der Möglichkeiten viel Profil. Insgesamt ein guter Anfang, der Potenzial für mehr beinhaltet.
(S E R V I C E - „Merlin oder Das wüste Land“ von Tankred Dorst. Regie: Jan-Christoph Gockel, Puppenbau: Michael Pietsch. Musik und Hörspiel: Matthias Grübel. Mit: Julia Gräfner, Benedikt Greiner, Fredrik Jan Hofmann, Florian Köhler, Raphael Muff, Michael Pietsch, Evamaria Salcher, Franz Solar. Grazer Schauspielhaus, Nächste Aufführungen: 25., 26.9., 7., 14., 15., 20., 27.10., Karten unter Tel. 0316/8000 oder mailto:tickets@buehnen-graz.com. http://www.schauspielhaus-graz.com )
(B I L D A V I S O - Pressebilder stehen im Pressebereich von http://www.schauspielhaus-graz.com zum Download bereit.)