Tiermedizin

Tirol will Tierärzte im eigenen Land ausbilden

Der Nutztierbereich hat für Veterinärmediziner an Attraktivität eingebüßt.
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Landwirtschafts-Landesrat Josef Geisler forciert die Idee, in Tirol ein Tierarztstudium anzubieten. Es gebe Bedarf. Kritik kommt aus Wien.

Von Sabine Strobl

Innsbruck –Tirol hat sich als Standort für eine tierärztliche Ausbildung ins Spiel gebracht (die TT berichtete). LH-Stellvertreter Josef Geisler (ÖVP) sieht in dem Vorhaben eine „große Chance für den Bildungsstandort Tirol“, zumal auch Südtirol und Bayern eingebunden werden sollen. „Die Idee, im Westen Österreichs ein Angebot zu schaffen, gibt es schon länger. Laut Experten führt die Ausbildung in Wien auch mehr von der Praxis weg“, erklärt Geisler weiter. Vor allem im Nutztierbereich zeichne sich ein Mangel an Tierärzten ab. Auch die Zahl der Haustiere würde zunehmen und somit der Bedarf an tierärztlicher Versorgung. Das Veterinärmedizinische Studium soll laut Geisler an einer Privatuniversität wie der Umit angeboten werden. Als Standort wird Kematen genannt. Jährlich könnten etwa 20 bis 30 Studienanfängerinnen und -anfänger aufgenommen werden. Wichtig sei, dass sich „die Privatuni auch rechnet“.

In Wien, dem derzeit einzigen Standort in Österreich, beginnen derzeit jährlich über 200 Studierende ein Vetmed-Studium. Geisler zu Wiener Bedenken: „Ich lehne Eifersüchteleien ab. Es gibt keine geschlossene Gesellschaft. Ein gewisser Bildungswettbewerb hat noch keinem geschadet.“ Die Wiener Rektorin war noch nicht erreichbar.

Unterstützung kommt laut Geisler von Landwirtschaftsminister Andr­ä Rupprechter (ÖVP). In Erhebungen eingebunden sind neben Experten auch ÖVP-Wissenschaftssprecher Karlheinz Töchterle sowie die Uni Innsbruck. Rektor Tilmann Märk steht der Initiative positiv gegenüber: „Insgesamt könnte das schon eine Chance sein, da Bedarf vonseiten der Landwirtschaft besteht.“ Er mahnt aber eine gute Planung besonders bei der Finanzierung ein. „Falls sich die Universität Innsbruck beteiligt, könnte die inhaltliche Mitwirkung wohl sinnvollerweise in den Bereichen Biologie/ Zoologie sein.“

Der Präsident der österreichischen Tierärztekammer Kurt Frühwirth zeigte sich in Wien von dem Vorstoß aus dem Westen „überrascht“. Derzeit gebe es jährlich etwa 150 Studien­abgänger in Wien. Damit sei der Bedarf an Tierärzten an und für sich noch gedeckt. „Noch ist nicht absehbar, wohin die Reise geht“, sagt Frühwirth. Es sei offen, ob es zur Regionalisierung oder zum Bauernsterben kommt. Ein offensichtliches Problem sei mit dem Landärztemangel in der Humanmedizin vergleichbar. Nutztierarzt am Land zu sein, werde zunehmend unattraktiv (Bereitschaft usw.). Absolventen, inzwischen zum Großteil weiblich, zieht es in Ballungsräume.

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