Gesellschaft

„Gemma Kirche schaug’n“

Stadtarchäologe Alexander Zanesco erklärt die Funde im Presbyterium.
© Julia Hammerle

Was war, bevor die Haller Pfarrkirche stand? Eine Grabungsführung erlaubte gestern einzigartige Blicke ins 13. Jahrhundert. Sie lockte 250 Interessierte an.

Von Elke Ruß

Hall i. T. –Drei Dutzend Menschen drängen sich auf Metallstegen im Presbyterium der Pfarrkirche St. Nikolaus. Sie starren auf Löcher im Boden und zig Mauerschichten, von Archäologen seit Juli freigelegt. Nein, römische Überreste gibt es nicht. Sie blicken aber tief ins 13. Jahrhundert, wie Stadtarchäologe Alexander Zanesco aus der Grube heraus erklärt: Eine erste Kirche wurde hier bereits 1281 geweiht. Sie hatte (wie die heutige) einen Polygonalchor, „war aber leicht gedreht und viel kleiner. Wir haben aber einen Gebäuderest gefunden, der älter sein muss: Er ist völlig anders orientiert und kann nichts mit der Kirche zu tun haben.“ Zu ihm gehören Alltagsfunde wie Tierknochen, Keramik- und Glasreste.

Etwa zeitgleich mit der Kirche entstand der Turm, „aber baulich getrennt“ und kein Sakralbau. Zwar „wachsen mit der Kirche die Funktionen als Stadt- und Kirchturm zusammen“, doch die Aufgänge mussten frei bleiben, wie Treppenreste belegen. „Das hat die Kirche gehindert, in Richtung Turm weiterzuwachsen“, das Langhaus wurde im frühen 14. Jahrhundert nach Norden und Westen erweitert. Erhalten ist noch ein romanischer Fußboden. „Ab ca. 1420 entstand die heutige, spätgotische Kirche“, erläutert Zanesco. Auch sie blieb nicht lange so: „Das gotische Gewölbe ist im Barock radikal verändert worden.“ Aus dem Barock stammen auch die reichen Fresken.

Im Chorraum, wo früher teils der Friedhof war, wurden zudem zwei Gräber entdeckt. Eines barg einen Metallsarg mit einem Baby, vermutlich aus einer wohlhabenden Familie, denn „es wurde in der Kirche bestattet. Das Baby ist derzeit in einer Kühlanlage, es wird überlegt, es genauer zu untersuchen“, erläutert Zanesco.

Bei den Führungen im Halbstundentakt zählte Landeskonservator Walter Hauser bis Mittag rund 250 Besucher. Kein Wunder, denn die Chance kommt nie wieder: Ab Montag wird die Grabungsstätte aufgefüllt, nur der etwas tiefer gelegte Boden wird künftig daran erinnern.

Darunter sind auch Gräber.
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Im Langhaus werden die Fresken renoviert.
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