Flüchtlinge - Caritas-Straßenbahn gibt Einblicke in Leben Geflohener
Wien (APA) - Am heutigen „Langen Tag der Flucht“ erzählen Flüchtlinge in einer Caritas-Straßenbahn in Wien zwischen Reumannplatz und Praters...
Wien (APA) - Am heutigen „Langen Tag der Flucht“ erzählen Flüchtlinge in einer Caritas-Straßenbahn in Wien zwischen Reumannplatz und Praterstern ihre Geschichte und sprechen mit Interessierten über ihre derzeitige Lebenssituation. „Mit diesem Projekt wollen wir darauf aufmerksam machen, wie es diesen Menschen geht und wie ein Zusammenleben gelingen kann“, betonte Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner.
Bei der ersten Fahrt der „Stationen einer Flucht“-Straßenbahn am Freitagvormittag sprachen Experten und Freiwillige der Caritas mit Schulklassen über ihre Arbeit, informierten die jungen Fahrgäste über das Thema Asyl und tauschten sich mit ihnen über ihre persönlichen Erfahrungen damit aus.
Auch der 17-jährige Mustafa erzählte von seiner Flucht aus Afghanistan und seinem neuen Leben in Österreich. „Ich wohne im Caritas-Flüchtlingsheim in Neudörfl im Burgenland und besuche die Hauptschule in Eisenstadt. Nach der Schule helfe ich bei der Feuerwehr, beim Roten Kreuz und spiele Fußball in einem Verein“, berichtete er. Nach seinem Schulabschluss im Jahr 2016 möchte er eine Lehre als Automechaniker beginnen. „Ich fühle mich in Österreich willkommen“, sagte der 17-Jährige zur APA.
Auch Caritas-Generalsekretär Schwertner besprach seine Sorgen in Bezug auf die momentane Situation mit den Fahrgästen. „Was mir in diesen Tagen Angst macht, ist die Angst vieler Österreicher. Ich stelle mir immer wieder die Frage, wie man den Menschen ihre Furcht nehmen kann“, sagte er. Die Caritas-Straßenbahn sei ein Versuch, der Angst der Bevölkerung mit Informationen zu begegnen und diese Angst auf diese Weise zu überwinden. Schwertner verwies auch auf die geografische Nähe des Konfliktes in Syrien. „In Luftlinie sind wir 3.080 Kilometer voneinander entfernt. Das ist nicht weit“, betonte er.
Erst vor einigen Tagen hat Schwertner diese Nähe am Westbahnhof selbst erlebt. „Ein Mann hat neben mir mit seinem Handy telefoniert. Plötzlich wurde er ganz leise und ist kollabiert. Er wurde sofort von den Rettungskräften versorgt. Später hat man mir erzählt, dass er in diesem Moment erfahren hat, dass sein siebenjähriger Sohn in Syrien gestorben ist“, erzählte er in der Straßenbahn.
Als „Signal des Mutes“ bezeichnete Schwertner die enorme Hilfsbereitschaft der Österreicher. 3.500 neue Freiwillige hätten sich seit Ende Juni bei der Caritas gemeldet, 2.500 von ihnen waren bereits im Einsatz. „Auf europäischer Ebene fehlt mir diese Zuversicht manchmal“, sagte Schwertner. Den Beschluss der EU-Innenminister, 120.000 Flüchtlinge auf die Mitgliedsstaaten aufzuteilen, begrüße er aber. „Es ist klar, dass die Situation nur gemeistert werden kann, wenn wir alle zusammenhalten“, betonte er.
(S E R V I C E: Die „Stationen einer Flucht“ können Interessierte noch bis 17.00 Uhr am heutigen Freitag nacherleben, nähere Informationen unter www.langertagderflucht.at)
~ WEB http://www.caritas.at/ ~ APA292 2015-09-25/13:04