San Sebastian - Zwei spanische Produktionen unter Muschel-Favoriten

San Sebastian/Wien (APA) - Morgen, Samstag, Abend endet das 63. Internationale Filmfestival von San Sebastian mit der Vergabe der „Goldenen ...

San Sebastian/Wien (APA) - Morgen, Samstag, Abend endet das 63. Internationale Filmfestival von San Sebastian mit der Vergabe der „Goldenen Muschel“. Im Hauptwettbewerb für den begehrten Preis bewerben sich 17 Filme, während im „New Directors“-Wettbewerb mit Stephan Richters Film „Einer von uns“ ein österreichischer Beitrag mitmischt.

Die Haupt-Jury unter Vorsitz der dänischen Schauspielerin Paprika Steen wird es in diesem Jahr aber nicht leicht haben. Viele Filme konnten kaum überzeugen, blieben blass. Bei „21 nuits avec Pattie“ der französischen Brüder Jean-Marie und Arnaud Larrieu konnte man immerhin lachen. Und der Belgier Joachim Lafosse bewegte mit „Les chevaliers blancs“. Außergewöhnlich und erinnerungswürdig waren aber auch diese beiden Filme nicht.

Dennoch stachen einige Produktionen heraus: Der britische Star-Regisseur Terence Davies etwa präsentierte in San Sebastian mit „Sunset Song“ eine gelungene, packende Tragödie. Auch der US-amerikanische Streifen „Freeheld“ von Peter Sollett konnte überzeugen. So gefühlvoll wie Sollett den tragischen Liebesfilm drehte, so intensiv und grandios spielten Julianne Moore und Ellen Page ihre Hauptrollen. Der Film basiert auf der wahren Geschichte der Polizeiinspektorin Laurel Hester und der jungen Stacie Andree. Lange verschwiegen sie ihre lesbische Beziehung. Doch als Hester an Krebs erkrankt und kurz vor ihrem Tod für ihr Recht kämpft, ihrer Partnerin das Haus zu vererben, machen sie ihre Liebe bekannt.

Der Filmemacher Asier Altuna begeisterte hingegen mit „Amama“. Auf poetische Weise und mit atemberaubenden Bildern erzählt er von einem sehr aktuellen Problem in seiner baskischen Heimat: Die Flucht vom Land und der damit einhergehende Generationenkonflikt, dem gleichzeitigen Vergessen und krampfhaften Festhalten an alten Traditionen.

Einer der großen Anwärter auf die „Goldene Muschel“ ist am Samstag zweifellos auch Cesc Gays spanische Sterbedrama-Komödie „Truman“. Einfühlsam, aber mit großem Humor und noch größerer Dramatik erzählt der Gay eine Geschichte von Freundschaft, dem Sinn des Lebens, dem Sterben. Julian hat Krebs und möchte Selbstmord begehen, bevor ihn die Krankheit ans Bett fesselt. Sein Freund Tomas kommt nach Jahren aus Kanada nach Madrid, um Julian ein letztes Mal zu sehen.

Dass sich unter den Favoriten gleich zwei spanische Produktionen befinden, wundert Festival-Direktor Jose Luis Rebordinos kaum. Obwohl schon vier der insgesamt 17 Wettbewerbsfilme aus Spanien kommen, hätte er am liebsten noch mehr ins Programm aufgenommen. „Das spanische Kino leidet immer noch sehr unter der Wirtschaftskrise, begeistert derzeit aber mit einer Kreativität und Vielfalt, wie wir sie seit vielen Jahren nicht mehr gesehen haben“, versichert Rebordinos im APA-Gespräch.

Auch die spanischsprachigen Darsteller konnten überzeugen. Die beiden Hauptdarsteller von „Truman“, der Argentinier Ricardo Darin und der Spanier Javier Camara, gelten auch als Favoriten für die „Silberne Muschel“ als bester männlicher Darsteller. Auch der Uruguayer Alvaro Ogalla spielte hervorragend seine Rolle in „The Apostate“ im Kampf gegen die katholische Kirche.

Unter den Schauspielerinnen gelten neben „Amama“-Protagonistin Iraia Elias die Französin Isabelle Carre („21 nuits avec Pattie“) und die Kubanerin Yordanka Ariosa für ihre hervorragende Darstellung im harten Sozialdrama „The King of Havana“ als ernstzunehmende Favoritinnen. Auch Oscarpreisträgerin Julianne Moore hätte diesen Preis verdient. Doch leider gehört sie zu den vielen Hollywood-Stars, die in diesem Jahr nicht nach San Sebastian gekommen sind.

Natürlich schritten Stars wie Sienna Miller, Ellen Page, Benicio del Toro, Emily Blunt oder Tim Roth über den roten Teppich. Doch die ganz großen Namen und Stars fehlten in diesem Jahr leider. Selbst Emma Watson und Ethan Hawke schafften es aus Termingründen nicht, zur Weltpremiere von Alejandro Amenabars Psychothriller „Regression“ zu kommen, der das Festival letzte Woche eröffnete. Am Freitagabend wird zumindest noch die britische Schauspielerin Emily Watson in San Sebastian erwartet, die für ihr Lebenswerk den Festival-Sonderpreis „Premio Donostia“ erhält.

Ob sich der österreichische Filmbeitrag von Stephan Richter, „Einer von uns“, am Samstag im „New Directors“-Wettbewerb durchsetzen kann, bleibt fraglich. Der französische Streifen „The New Kid“ und die spanische Produktion „Paula“ von Eugenio Canevari gelten in der mit 50.000 Euro Preisgeld bestückten Rubrik als Favoriten, in der auch der in Kanada lebende österreichische Regisseur Hans Christian Berger mit „After Eden“ am Freitagnachmittag die Weltpremiere seines ersten Langspielfilms feiert.

(S E R V I C E - www.sansebastianfestival.com)