Klimawandel und Powernap: Finalisten für BC21 Art Award im 21er Haus

Wien (APA) - Ein auf dem „Kyoto Protokoll“ schmelzender Gletscher, durch die Wände schimmernde Neon-Röhren, sich durch einen Wollhaufen arbe...

Wien (APA) - Ein auf dem „Kyoto Protokoll“ schmelzender Gletscher, durch die Wände schimmernde Neon-Röhren, sich durch einen Wollhaufen arbeitende Hände oder mannshohe handgemachte Spiegel, auf die missglückte Bauprojekte gedruckt wurden: Im Wiener 21er Haus sind ab heute, Freitag, ausgewählte Arbeiten der vier jungen Finalisten des BC21 Art Awards 2015 zu sehen. Zwei weitere Ausstellungen eröffnen parallel.

Die alle zwei Jahre vergebene Auszeichnung für zeitgenössische Kunst, die mit einer Dotierung von 20.000 Euro laut Belvedere-Chefin Agnes Husslein der höchstdotierte privat finanzierte Kunstpreis Österreichs ist, wird am 27. Oktober in Zusammenarbeit mit der Boston Consulting Group verliehen. In der bis zum 29. November laufenden Schau im ersten Stock des 21er Hauses werden Werke von Andreas Duscha, Nilbar Güres, Sarah Pichlkostner und Hannes Zebedin gezeigt. So unterschiedlich die Positionen sind, so ist ihnen laut Kuratorin Luisa Ziaja doch eine Ähnlichkeit in den Fragestellungen zu attestieren. Die Gemeinsamkeit der jungen Künstler liege in ihrer Auseinandersetzung mit der Materialität, so die Kuratorin beim Presserundgang am Freitag.

Das wird bereits bei dem 1976 in Osttirol geborenen Hannes Zebedin deutlich: Er hat unter anderem ein Stück eines Gletschers in den Ausstellungsraum gebracht und lässt diesen auf einem Packen von Klima-Protokollen langsam schmelzen. In einem anderen Raum finden sich Dokumente eines in Chisinau (Republik Moldau) realisierten Projekts, bei dem der Künstler gemeinsam mit Kindern Holzschnitte als Protest gegen eine durch einen Park führende Straße anfertigte. An der Wand im 21er Haus lehnen benutzte Holzlatten, über die die Autos fuhren und somit den Druck der Holzschnitte erst ermöglichten; Fotos dokumentieren die Arbeit mit den Kindern.

Das Anhalten von Zeit prägt die Arbeiten des 1976 in Deutschland geborenen und in Wien lebenden Künstlers Andreas Duscha: Er setzt auf analoge Reproduktionstechniken und Dysfunktionalität von Dingen und Bauwerken. So knöpft er sich etwa architektonische Landmarks vor, die ihren Zweck nicht erfüllen konnten. Der Vdara Tower in Las Vegas, die Walt Disney Concert Hall in Los Angeles oder der Walkie Talkie Tower in London - von ihnen gingen nach Fertigstellung durch die Kombination von gebogener Fassade und Glas gefährliche Lichtbündelungen aus, die Schmelzungen und Verbrennungen verursachen können. Bilder dieser Gebäude druckte er auf handgemachte Spiegel, die er mit einer aus dem 19. Jahrhundert stammenden Technik anfertigte.

Die 1988 in St. Johann im Pongau geborene Sarah Pichlkostner agiert und interagiert wiederum mit industriell gefertigten Materialien von der Glühbirne bis zum Isolierglas. In ihrer sehr reduzierten Schau spielt sie mit Zweckentfremdung von Gebrauchsgegenständen und versetzt sie durch die Neuanordnung einem „Powernap“. Die aus Istanbul stammende Nilbar Güres setzt auf Textilcollagen und inszeniert Situationen, „die tradierte weibliche Verhaltensnormen und Handlungsmuster in ihrer Überschreitung zum Thema haben“, wie es im Begleittext heißt. So begegnet dem Besucher eine gehäkelte doppelköpfige Schlange mit Gürtelschnallen ebenso wie zwei aus einem Berg Schafwolle hervor ragende Hände.

„Monumente. Dokumente“ nennt sich die zeitgleich eröffnende Schau von Simon Wachsmuth. Zentrales Werk der Installation „Where we were then, where we are now“ ist die großformatige Arbeit „Alexanderschlacht“, die das berühmte Mosaik aus Pompej mithilfe von auf weißem Grund angebrachten Magneten auf eine neue Ebene von Geschichtsverständnis hebt. Collageartig verschränkt Wachsmuth in anderen Arbeiten Zeitungsartikel, Fotografien und Archivmaterialien und stellt „Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Bildern und Kontexten her“ und bringt somit die Komplexität von Geschichtsschreibung zum Ausdruck. Die Schau ist bis 17. Jänner zu sehen.

Den ersten Teil einer zweiphasigen Ausstellung zeigt Plamen Dejanoff mit „Foundation Requirements“. Der Besucher kann durch Fragmente originalgetreu rekonstruierter Elemente der zerstörten Bibliothek von Arbanasi (Bulgarien) aus dem 15. Jahrhundert wandeln. „Die Wand- und Bodenteile repräsentieren einerseits verloren gegangenes Baukulturgut und thematisieren andererseits in ihrer Unentschiedenheit zwischen Readymade, Nachbildung und Neuschöpfung zentrale kunstimmanente Fragen“, so Kurator Maximilian Geymüller. Die Schau läuft bis zum 26. Oktober, danach folgt die zweite Einzelausstellung Dejanoffs mit „plamen. literatur kunst leben“.

(S E R V I V E - BC21 Art Award 2015: Ausstellung der nominierten Künstler: Andreas Duscha, Nilbar Güres, Sarah Pichlkostner und Hannes Zebedin, 26.9. bis 29.11.; Plamen Dejanoff: „Foundation Requirements“, 26.9. bis 26.10.; Simon Wachsmuth: „Monumente. Dokumente.“, 26.9. bis 17.1.2016. www.21erhaus.at)