Rupert Everett: Prinzessin Margaret „ist eine große tragische Figur“
München (APA/dpa) - Rupert Everett (56), einem größeren Publikum seit der romantischen Komödie „Die Hochzeit meines besten Freundes“ (1997) ...
München (APA/dpa) - Rupert Everett (56), einem größeren Publikum seit der romantischen Komödie „Die Hochzeit meines besten Freundes“ (1997) an der Seite von Julia Roberts bekannt, spielt in dem Film „A Royal Night - Ein königliches Vergnügen“ (ab 2. Oktober im Kino) den Vater von Queen Elizabeth II., König George VI.. Im Interview in München erzählt der Brite von einem denkwürdigen Abend mit Prinzessin Margaret.
Frage: Ist es für einen Engländer etwas besonderes, den König zu spielen?
Antwort: Der König ist immer eine gute Rolle, weil man im Film sehr viel Aufmerksamkeit bekommt. Wenn man als König den Raum betritt, öffnen zwei Menschen die Tür und jeder schaut dich an. Das ist ziemlich gut. Ich habe inzwischen schon fünf Könige gespielt und das hat mir jedes Mal Spaß gemacht.
Frage: Sind Sie ein Royalist?
Antwort: Also, ich möchte nicht von einer königlichen Familie regiert werden, aber unsere königliche Familie mag ich definitiv. Ja.
Frage: Sie haben eine gemeinsame Geschichte mit Prinzessin Margaret, der Schwester der Queen...
Antwort: Gemeinsame Geschichte ist übertrieben. In der Werbung für den Film wurde diese Geschichte zu einer 15 Jahre langen Liebesaffäre aufgeblasen, aber ich habe genau einen Abend mit ihr verbracht. Ich bin mit ihr ins Theater gegangen als sie so 55 oder 60 war, und es war kein besonders erfolgreicher Abend. Ich war ziemlich jung und auch wenn ich mit diesem ganzen Protokoll-Kram aufgewachsen bin, hatte ich daran jahrelang nicht mehr gedacht. Dann hatte sie auf einmal eine Zigarette in der Hand und sah mich erwartungsvoll an, aber ich habe nur geredet und geredet anstatt sie ihr mit dem großen goldenen Feuerzeug anzuzünden. Der Gedanke war mir überhaupt nicht in den Sinn gekommen. Ich war viel zu egozentrisch.
Da waren zwei Prinzessinnen in dem Raum. Wir haben uns also nicht so wirklich gut verstanden. Aber ich liebe sie. Sie ist eine ganz große tragische Figur. Sie hatte keine wirkliche Funktion in der Welt, hatte aber auch keine Freiheiten. Sie hat eine desaströse Entscheidung nach der anderen getroffen. Jemand sollte einen Roman über sie schreiben.
Frage: Im Film scheint Prinzessin Elizabeth gefangen zu sein in ihrem Prinzessinnen-Dasein. Haben Sie sich schon mal gefangen gefühlt...
Antwort: ... in meinem Königinnen-Dasein? Ja, die ganze Zeit! (lacht)
Frage: Zu Beginn Ihrer Karriere haben Sie einen Homosexuellen gespielt, privat geoutet haben Sie sich erst Jahre später. Warum hat das so lange gedauert?
Antwort: Ich habe mich nie wirklich geoutet. Es ist einfach passiert, es gab da keinen bestimmten Moment, den haben sich die Medien irgendwann einmal ausgedacht.
Frage: Sie haben sich kritisch über die gleichgeschlechtliche Ehe geäußert...
Antwort: Ich mag die Ehe an sich nicht. Ich habe Ehe immer als Kampf erlebt - schon als Kind. Alle meine Freunde und ich hofften verzweifelt darauf, dass unsere Eltern sich scheiden lassen, weil sie immer gestritten haben und die Atmosphäre zu Hause schlecht war. Diese Einstellung habe ich inzwischen geändert. Die einzige Ehe, die es Wert ist, einzugehen, ist die, die auch nach 60 oder 70 Jahren noch Bestand hat. Die moderne Auffassung der Ehe ist aber erbärmlich. Heutzutage geht es doch nur um die Party - und die Scheidung danach. Das macht für mich überhaupt keinen Sinn. Ich bin aber total begeistert, dass die gleichgeschlechtliche Ehe in Irland, England und sogar in den USA durchgegangen ist. Vielleicht haben die Schwulen, die so lange dafür gekämpft haben, erfolgreichere und rücksichtsvollere Ehen als ihre heterosexuellen Pendants, die nur geheiratet haben, weil Barry eine Party wollte und Doreen ein Kleid entdeckt hat, das ihr gefällt.
Frage: Nutzen Sie eigentlich soziale Medien?
Antwort: Nein, überhaupt nicht. Man kann nicht verleugnen, dass es fantastisch ist, eine Kamera am Handy zu haben, aber diese Sucht, sich ständig damit selbst zu fotografieren, finde ich armselig. Zwei Millionen Jahre nach der Evolution der Menschheit, 70 Jahre in Frieden haben wir nichts Besseres zu tun, als durch die Welt zu reisen und uns selbst zu fotografieren. Das ist doch irre - und sehr eitel.
Frage: Sind Sie eitel?
Antwort: Jetzt nicht mehr so sehr. Als ich jung war, war ich sehr eitel, was mein Aussehen angeht. Eitelkeit hat nichts mit Selbstbewusstsein zu tun, sondern mit dem Gefühl, dass man ein Defizit hat.
Frage: Gibt es Schauspieler, zu denen Sie aufschauen?
Antwort: Zu jedem, der länger als zwei Jahre in diesem Geschäft überlebt hat. Alle Schauspieler sind fantastisch, weil es eine schwierige Welt ist, in der sie leben. Du magst das Showbusiness lieben, aber - wie Julie Andrews einst sagte - das Showbusiness wird dich niemals zurücklieben. Es wartet nur auf die Gelegenheit, dir ins Gesicht zu treten - und wenn sie kommt, dann tut es das. Also verstehen wir Schauspieler uns alle sehr gut. Es ist ein bisschen so wie bei Prostituierten, weil man weiß, wie viel Schaden das Geschäft anrichten kann. Im Grunde gibt es da wirklich keinen großen Unterschied zwischen den beiden Berufen - nur dass man nach dem einen Präsident werden kann und für den anderen im Gefängnis landest. Aber beide Jobs haben den gleichen Modus Operandi.
ZUR PERSON: Rupert Everetts berühmteste Rolle ist die als schwuler bester Freund von Julia Roberts in „Die Hochzeit meines besten Freundes“. In „A Royal Night“ spielt der Brite nun den Vater von Queen Elizabeth. Der Film dreht sich um den 8. Mai 1945. Die spätere Königin von England will darin als 19-jährige Prinzessin mit ihrer Schwester Margaret das Ende des Zweiten Weltkrieges feiern und schleicht sich heimlich und ohne Aufpasser auf eine aufregende Party.
(Das Gespräch führte Britta Schultejans/dpa)