US-Behörden lassen letzten britischen Guantanamo-Häftling frei

London/Washington/Guantanamo (APA/AFP) - Die US-Behörden wollen den letzten britischen Guantanamo-Häftling an seine Heimat überstellen. Wie ...

London/Washington/Guantanamo (APA/AFP) - Die US-Behörden wollen den letzten britischen Guantanamo-Häftling an seine Heimat überstellen. Wie ein britischer Regierungssprecher am Freitag mitteilte, wurde London von der US-Regierung entsprechend unterrichtet. Die britische Regierung hatte seit Jahren Shaker Aamers Freilassung gefordert.

US-Soldaten hatten den in Saudi-Arabien geborenen Briten im Dezember 2001 in Tora Bora im Norden Afghanistans gefangen genommen. Im Februar 2002 wurde er auf den US-Militärstützpunkt Guantanamo Bay auf Kuba gebracht. Er wurde verdächtigt, dem Al-Kaida-Netzwerk von Obama Bin Laden zugearbeitet zu haben.

Obwohl die US-Behörden 2007 zugaben, dass keine Beweise gegen Aamer vorlägen, blieb er in Guantanamo. In dem Lager befinden sich derzeit noch 114 Häftlinge.

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA hatte der damalige US-Präsident George W. Bush das Lager für Terrorverdächtige und Gefangene aus dem Afghanistan-Krieg einrichten lassen. Menschenrechtsgruppen kritisieren, dass die Insassen über Jahre ohne rechtsstaatliche Verfahren festgehalten werden und oft noch in Guantanamo bleiben, obwohl sie als ungefährlich eingestuft wurden.

US-Präsident Barack Obama hatte bei seinem Amtsantritt Anfang 2009 die Schließung des Lagers versprochen, scheiterte damit aber bisher. Nach Ansicht von Pentagon-Chef Ashton Carter soll etwa die Hälfte der Guantanamo-Häftlinge für immer hinter Gittern bleiben. Die US-Behörden erwägen derzeit die Verlegung von Guantanamo-Insassen in die USA, etwa in das Militärgefängnis Fort Leavenworth im Bundesstaat Kansas. Obama hat noch bis Anfang 2017 Zeit, sein Versprechen zu erfüllen. Dann endet seine Präsidentschaft nach zwei Amtszeiten.