Tirols SPÖ bei 125-Jahr-Jubiläum: „Wurzeln“ statt „Schickimicki“
Telfs (APA) - Die Tiroler SPÖ hat am Freitagabend in Telfs ihr 125-Jahr-Jubiläum gefeiert. In der Oberländer Marktgemeinde hatte die Geschic...
Telfs (APA) - Die Tiroler SPÖ hat am Freitagabend in Telfs ihr 125-Jahr-Jubiläum gefeiert. In der Oberländer Marktgemeinde hatte die Geschichte der Landespartei am 28. September 1890 mit einem Gründungsparteitag in einem Gasthaus begonnen. Bei seiner Festansprache vor rund 250 Sympathisanten gab der Tiroler SPÖ-Chef Ingo Mayr „Zurück zu den Wurzeln“ als Zukunftsmotto für die Landespartei aus.
An der Festveranstaltung im Telfer Rathaussaal nahmen auch Bundeskanzler Werner Faymann und Bundesgeschäftsführer Gerhard Schmid teil. Faymann verließ jedoch die Veranstaltung nach einer halben Stunde wieder. Er musste aufgrund seines dicht gedrängten Terminkalenders zum Innsbrucker Flughafen eilen.
Seine kurze, rund 15-minütigen Rede stand abseits von Geburtstags-Glückwünschen für die Tiroler Parteifreunde vor allem im Zeichen der derzeitigen Flüchtlingssituation. Der Kanzler sprach unter anderem erneut von einem Europa, das am Prüfstand stehe. Es gelte, für eine gemeinsame Ordnung in Europa zu sorgen, in der das Menschenrecht auf Asyl ernst genommen werde. Man müsse sich jenen entgegenstellen, die meinten, man könne es sich nicht leisten, den Flüchtlingen zu helfen. „Die Hetzer müssen die Schwächeren sein“, erklärte Faymann.
Mayr hielt indes eine mit kritischen Aspekten gespickte Rede. „Wir müssen weg von der Schickimicki-Partie“, rief Tirols oberster Roter den Festgästen zu. Man sei auch selber schuld daran, dass zuletzt immer weniger Menschen den Sozialdemokraten zugehört hätten. „Wir haben zu viel mit dem Wirtschaftsliberalismus und dem Kapitalismus geflirtet“, sagte Mayr. Kritik an der schwarz-grünen Landesregierung in Tirol durfte in der Rede des SPÖ-Chefs natürlich auch nicht fehlen. Diese habe die höchste Arbeitslosigkeit im Bundesland seit 60 Jahren mitzuverantworten.
Nach den Reden und der Verleihung der Victor Adler-Plaketten an verdiente Parteimitglieder folgte noch eine Podiumsdiskussion mit Vertretern der anderen Tiroler Parteien. Landtagspräsident Herwig van Staa (ÖVP), FPÖ-Landesparteiobmann Markus Abwerzger, Grünen-Klubobmann Gebi Mair und Liste Fritz-Klubchefin Andrea Haselwanter-Schneider folgten der roten Einladung. Dieser Programmpunkt habe parteiintern für Irritationen gesorgt, räumte Parteichef Mayr ein. Die halbstündige Diskussion, in der unter anderem Van Staa die Ausgrenzung der FPÖ durch die Genossen kritisierte, traf folgerichtig auch auf vereinzeltes Desinteresse. Einige SPÖ-Mitglieder wollten das Ende der Debatte nicht abwarten und verließen den Saal.
Die Tiroler SPÖ hatte in den vergangenen Jahren eine krisenhafte Zeit durchlebt. Bei der Landtagswahl 2013 rutschte sie auf den historischen Tiefstand von 13,72 Prozent ab. Dann bugsierte sie die ÖVP auch noch aus der Landesregierung und ging eine Koalition mit den Grünen ein. Nachdem die Landespartei jahrelang nur von einem geschäftsführenden Parteivorsitzenden geführt worden war, wurde im Juni 2014 der Bürgermeister von Roppen, Ingo Mayr, zum neuen SPÖ-Chef gewählt. In dessen bisheriger Amtszeit kam es zu einer Parteireform, mit der die Landespartei nach eigenen Angaben „jünger, weiblicher und linker“ werden wollte.
Der erste wahlpolitische Elchtest für Tirols Sozialdemokraten unter Mayr folgt im kommenden Februar bei den Gemeinderatswahlen. SPÖ-Landesgeschäftsführer Georg Dornauer zeigte sich gegenüber der APA am Freitag dahin gehend optimistisch. So werde man mit mehr roten Listen antreten als bei den letzten Kommunalwahlen im Jahr 2010, als die SPÖ in 120 Gemeinden kandidierte.
~ WEB http://www.spoe.at ~ APA595 2015-09-25/21:36