ECC-Kongress - Optimale Krebstherapie vom Personal abhängig

Wien (APA) - Die öffentlichen Haushalte wollen sparen. In Sachen Krebs und Gesundheit insgesamt gibt es aber einen direkten Zusammenhang zwi...

Wien (APA) - Die öffentlichen Haushalte wollen sparen. In Sachen Krebs und Gesundheit insgesamt gibt es aber einen direkten Zusammenhang zwischen Investitionen und der zukünftigen Wirtschaftsentwicklung. Wird bei den Gesundheitsausgaben gespart, verschlechtert sich die gesamtgesellschaftliche und wirtschaftliche Situation, hieß es am Samstag beim Europäischen Krebskongresse in Wien.

„Jetzt wird so häufig davon gesprochen, dass die Menschen in Europa in Zukunft länger arbeiten werden müssen. Wenn man nicht in die Gesundheit der Menschen investiert, braucht man in der EU überhaupt nicht über eine Anhebung des Pensionsalters nachdenken“, sagte Ian Banks, federführender Repräsentant des Beratungsgremiums der Krebspatienten im Rahmen der Europäischen Gesellschaft für Klinische Onkologie (ECCO) bei der ersten Plenarsitzung des Kongresses mit rund 20.000 Teilnehmern (bis 29. September). Mehr Gesundheit und längeres Überleben von Patienten würden erst wirtschaftliches Wachstum in Europa in der Zukunft gewährleisten.

Banks betonte auch, wie wichtig die finanzielle und strukturelle Unterstützung des professionellen Personals in allen Einrichtungen des Gesundheitswesens ist, die sich mit Krebspatienten beschäftigen. „Die ‚Professionals‘ haben das Recht, in einem multidisziplinären Team zu arbeiten, egal wo sie arbeiten. Wenn die Rechte des Gesundheitspersonals eingeschränkt werden, schädigt das den Behandlungserfolg bei Krebs, ihre Unterstützung erhöht die Ergebnisse. Und gerade hier treffen sich die Interessen der Patienten mit jenen der im Gesundheitswesen Beschäftigten.“

Welche enormen Auswirkungen mehr oder weniger Investitionen im Gesundheitswesen der einzelnen Staaten allein in Sachen Krebs für die Zukunft haben, geht aus folgenden Zahlen hervor: International wird durch das Wachstum der Weltbevölkerung und die demografische Entwicklung ein starkes Ansteigen der Zahl der Krebserkrankungen prognostiziert. Diese Veränderungen lassen sich in einer weltweiten Zahl von 20,3 Millionen neuen Krebserkrankungen im Jahr 2030 übersetzen, bei im Vergleich dazu 12,7 Millionen Fällen im Jahr 2008. Für das Jahr 2030 werden damit 13,2 Millionen Krebstote vorhergesagt, bei 7,6 Millionen Todesopfern im Jahr 2008.

Dabei wird sich auch das Bild der Onkologie in der Zukunft völlig wandeln. Die moderne Krebsmedizin ist ohne begleitende klinische Forschung an Patienten in den Behandlungszentren nicht umzusetzen. Wissenschaftsprojekte sichern den Zugang zu neuesten Therapien und die notwendige Erfahrung der Ärzte. Der Präsident der Europäischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie (ESMO), Rolf Stahel, sagte dazu: „Es wird nicht mehr ausreichen, ein paar Medikamente zusammenzumischen oder Medikamente in der Krebstherapie mit irgendeiner anderen Intervention zu kombinieren.“ Die zukünftige Krebsmedizin benötige an jedem Behandlungszentrum ein Kontinuum an Zusammenarbeit zwischen Labor, Pathologie, Onkologie und allen anderen dafür notwendigen Fachdisziplinen.