Zwischen Raumerkundung und kosmischer Zweckentfremdung
Schwaz – Ein Säuseln und ein Schwelen, ein Dröhnen aus dem Untergrund. Der dänische Komponist Simon Steen-Andersen lässt für sein etwa Werk ...
Schwaz –Ein Säuseln und ein Schwelen, ein Dröhnen aus dem Untergrund. Der dänische Komponist Simon Steen-Andersen lässt für sein etwa Werk „Korpus“ „7–8 Spieler auf 3 Harry Partch Instrumente“ los. Aus den 40 Nachbauten des Instrumentenzoos des amerikanischen „Just Intonation“-Pioniers wählte er das mikrotonale Harmonium Chromelodeon, den Bloboy und die Marimba Eroica. Dieses vier Tiefbasstöne umfassende Holzinstrument nimmt visuell wie performativ eine zentrale Rolle ein. Der Marimba-Spieler ist von mehreren Assistenten umgeben, die Bälle und Plastikbecher auf den Klangstäben tanzen lassen. Hier wird eine Intensität erzeugt, die nach elektronischer Erzeugung klingt.
Eröffnet wurde der Konzertabend „Harry Partch: Pitch 43_Tuning The Cosmos“ aber mit „And on the Seventh Day Petals Fell in Petaluma“, einer Komposition des 1974 verstorbenen Partch. Der Klang-Experimentierer entwickelte sein eigenes Tonsystem mit 43 Stufen innerhalb der Oktave – und gleich sein eigenes Instrumentenset dazu. Dass selbst diese wunderlichen Verwandten von Orgel, Hackbrett und Co – liebevoll nachgebaut und gespielt von Ensemble Musikfabrik – nicht die gewünschte Präzision erreichten, war Partch egal, schließlich sind sie hübsch anzusehen. Bevor Steen-Andersen also diese Klangskulpturen zweckentfremdete, diente Partchs Komposition der Einführung. In 23 Duos und Trios erzeugten die Instrumente insbesondere perkussiv eine schräge Sogwirkung.
Ungleich behutsamer als Steen-Anderson ging Komponist Klaus Lang bei seiner Erforschung der klanglichen Wirkmöglichkeiten vor. „Frenhofer’s Foot“ für „16 Musiker mit herkömmlichen und Harry Partch Instrumenten“, bei den Klangspuren uraufgeführt, entfaltete eine nahezu hypnotische Wirkung. Die Raumerforschung der drei Instrumentengruppen, dirigiert von Clement Power, präsentierte sich als fein schwebender, subtil ausdifferenzierter Klangkosmos. (sire)