ECC-Kongress - Zielgerichtete Krebstherapie als Anliegen Frankreichs

Wien (APA) - Frankreich hat landesweit ein Programm mit Studie etabliert, das Krebspatienten mit verschiedensten Erkrankungen den Zugang zu ...

Wien (APA) - Frankreich hat landesweit ein Programm mit Studie etabliert, das Krebspatienten mit verschiedensten Erkrankungen den Zugang zu einem innovativen Arzneimittel auch abseits der Anwendungszulassung ermöglicht. Das hat zum Teil sehr gute Behandlungserfolge gebracht, stellte Gilles Vassal vom Krebsforschungsinstitut Gustave Roussy am Samstag beim ECC-Kongress in Wien vor.

Es handelt sich dabei um ein Projekt, bei dem ein Medikament der modernen zielgerichteten Krebstherapie Patienten angeboten werden soll, bei denen aufgrund der genetischen Analyse des Tumors ein Ansprechen zu erwarten ist, obwohl es für die jeweilige Tumorerkrankung noch keine Daten aus einer klinischen Studie und auch keine entsprechende Zulassung durch die Arzneimittelbehörden gibt. Vassal: „Es handelt sich dabei um Crizotinib, ein Medikament, das bei Krebserkrankungen mit Mutationen im Alk-, MET- oder Ros1-Gen verwendet werden könnte. Zugelassen ist es derzeit nur für Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom mit einer Alk-Mutation. Jedoch gibt es auch noch 15 andere Krebserkrankungen, bei denen Alk-, MET- oder Ros1-Mutationen vorliegen können, bei denen Medikament anwendbar wäre.“

Das genau ist eigentlich der Fortschritt, den die zielgerichtete medikamentöse Krebstherapie auf der Basis der molekularbiologischen Analyse des Tumors einen Patienten bedeutet: Ein Lungenkarzinom kann zum Beispiel eine Alk-Mutation aufweisen und sollte damit auf das ganz spezifisch wirkende Medikament ansprechen. Doch auch jeweils ein bestimmter Teil anderer Karzinome (z.B. Mammakarzinome, Dickdarmkarzinome) weist jenes Merkmal auf, welches für die Wirksamkeit spricht. Dadurch können Arzneimittel der zielgerichteten Therapie über die klassische Einteilung der Tumorerkrankungen nach befallenen Organen (Brust-, Lungen, Dickdarmkrebs) hinweg durch die Therapie ansteuerbare Merkmale besitzen. Die Voraussetzung für eine solche Behandlung ist allerdings die genetische Analyse von Gewebeproben der einzelnen Patienten.“

Gilles Vassal betonte das nationale Engagement Frankreichs für dieses Projekt: „Wir haben im ganzen Land 28 Zentren, welche die notwendigen genetischen Untersuchungen durchführen können. An unserem Programm nehmen 168 Behandlungszentren teil. Das moderne Next Generation Gens-Sequenzieren macht es möglich, Anwendungsgebiete für solche Medikamente noch vor der entsprechenden Zulassung zu identifizieren. Wir können damit können wir auch mehr Patienten den Zugang zu diesen Therapien ermöglichen.“

In dem Projekt wurden bis Juni dieses Jahres 5.592 Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen (12.586 Gentests; 15 verschiedene Krebsformen) untersucht, für die eine Verwendung laut der offiziellen Zulassung von Crizotinib eigentlich nicht infrage käme, jedoch aufgrund der Tumor-Genetik eine Wirkung wahrscheinlich war. 90 Prozent hatten bereits eine fortgeschrittene Erkrankung mit Metastasen.

Der französische Wissenschafter schilderte einige Erfolge: „Bei 72 Prozent der Lungenkrebspatienten mit einer Ros1-Mutation wurde ein Ansprechen der Behandlung registriert. Auch die Studiengruppe mit Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom und MET-Mutation wurde wegen Erfolges geschlossen. Für beide empfiehlt sich die Behandlung.“ Negativ fielen die Resultate bei Dickdarmkarzinompatienten mit einem MET-mutierten Tumor aus.

Das Institut Gustave Roussy hat vom französischen Staat rund 50 Millionen Euro an Förderungsgeldern für solche Projekte erhalten. In Österreich hat der Forschungsförderungsfonds (FWF) ehemals ein ähnliches Projekt von Onkologen der MedUni Wien bzw. des AKH abgelehnt. Trotzdem wurde es gestartet und hat bereits ein positives Zwischenergebnis präsentiert.