Zürich nahm Abschied von Schweizer Volksschauspieler Jörg Schneider
Zürich (APA/sda) - Mehrere hundert Personen haben am Samstag bei einer Gedenkfeier in Zürich von Jörg Schneider Abschied genommen. Der im Au...
Zürich (APA/sda) - Mehrere hundert Personen haben am Samstag bei einer Gedenkfeier in Zürich von Jörg Schneider Abschied genommen. Der im August verstorbene Schweizer Volksschauspieler wurde nicht nur als herausragender Künstler, sondern auch als liebenswürdiger, kluger und sensibler Mensch gewürdigt.
Der Einladung zur öffentlichen Gedenkfeier folgten zahlreiche Weggefährten und Schauspielkollegen sowie viele ältere und einige ganz junge Bewunderer. Sie fanden sich ein, um dem beliebten Volksschauspieler, Autor und Interpret unvergesslicher „Chaschperli-Geschichten“ die letzte Ehre zu erweisen. Der Publikumsliebling ist im August im Alter von 80 Jahren verstorben.
Durch die Feier führte der Theologe Ulrich Knellwolf, den Lebenslauf aus der Feder des Kulturchefs der „NZZ am Sonntag“, Manfred Papst, verlas der Schauspieler Daniel Rohr. Auch Stadtpräsidentin (Bürgermeisterin, Anm.) Corine Mauch hielt eine kurze Rede. Für den musikalischen Rahmen sorgten die Sopranistin Elena Mosuc, TV-Moderatorin Sandra Studer und die Zürcher Sängerknaben.
Nicht nur der „Chaschperli“, auch die weiteren unzähligen Figuren der Hörspiele seien „zu einem Teil unseres kollektiven Gedächtnisses geworden - zu einem Kulturgut, das Generationen verbindet“, sagte Rohr. Doch Schneider habe noch viel mehr geleistet - als Volksschauspieler in zahlreichen Schwänken, aber auch im sogenannt ernsten Fach. „Jörg Schneider hat Theatergeschichte geschrieben.“
Hinter dem populären Bühnenkünstler habe sich aber immer ein sensibler Mensch verborgen - „ein Zweifler, der zwar mit Verve die Bretter betrat, die die Welt bedeuten, dem es aber zwischendurch gar nicht so recht zu sein schien, dass es ihn überhaupt gab.“ Aus dieser Not und Spannung heraus sei seine Kunst entstanden, sagte Rohr.
Auf die Vielschichtigkeit des Künstlers ging auch Knellwolf ein. In seiner Predigt erinnerte er an Schneiders Autobiographie „Äxgüsi“, die wenige Monate vor dessen Tod erschienen war, und deren Titel an das gleichnamige Cabaret erinnert, das der junge Schauspieler einst gegründet hatte. „Äxgüsi“ unterstreiche aber auch, dass Schneider, der als Humorist galt, in Wahrheit ein Ironiker war, sagte Knellwolf. Die Ironie habe seine Kunst vielschichtig gemacht. „Sie war in freundlichen Humor gekleidet. Aber sie war zuletzt eben doch das Lachen über das, was wir gern anders hätten, aber nicht ändern können.“
Als ehemaliger Fan gab sich schließlich Bürgermeisterin Mauch zu erkennen. „Wir haben die Chaschperli-Platten zu Hause abgespielt, bis uns die Ohren wackelten“, gestand sie. Mauch würdigte den aus Zürich stammenden Verstorbenen als „Meister des Dialekts“. „Züritüütsch“ gelte mitunter als hart und humorlos. Doch die Arbeiten Schneiders widerlegten diese Vorurteile gründlich. „Sie sind durchsetzt von Wärme, Verspieltheit und Menschlichkeit“, sagte die SP-Politikerin.
Der vielseitige und beliebte Schauspieler war am 22. August mit 80 Jahren an Krebs gestorben. Die Krankheit hatte Schneider im Herbst 2014 gezwungen, seine Abschiedstournee „Häppi Änd“ abzubrechen.
In seinem letzten Kinofilm „Usfahrt Oerlike“ spielte er den lebensmüden Hans, der seinen Freund Willi - dargestellt vom mittlerweile ebenfalls verstorbenen Mathias Gnädinger - bittet, ihm beim Sterben zu helfen. Dass er bei den Dreharbeiten im Mai 2014 an Leberkrebs erkrankt war, wusste Schneider damals noch nicht.