Gesellschaft

Tirol hinkt bei Familienfreundlichkeit nach

Die Familienfreundlichkeit hat sich laut Monitor 2015 in den letzten drei Jahren in Österreich verdoppelt. Auch für Firmen bringt sie eine Win-win-Situation.
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Tirol muss in Sachen Familienfreundlichkeit noch kräftig im Bundesländervergleich aufholen. Am 21. Oktober werden fünf Tiroler Gemeinden in einem Festakt für ihr Familienengagement ausgezeichnet.

Von Brigitte Warenski

Innsbruck, Wien – Oberösterreich ist in puncto Familienfreundlichkeit österreichweit der absolute Spitzenreiter. 28 Prozent der 442 Gemeinden wurden im Rahmen des „Audits Familienfreundliche Gemeinde“ ausgezeichnet. Noch hat Tirol hier einen weiten Weg vor sich, weil sich erst 9,6 % der heimischen Gemeinden mit dem Siegel schmücken dürfen, das gemeinsam von allen Bundesländern entwickelt wurde. Zu den 27 Tiroler Gemeinden kommen am 21. Oktober fünf weitere, die in einem Festakt im Congress in den Kreis der Engagierten aufgenommen werden.

Partizipativer Prozess

Damit Familienengagement nicht nur ein Versprechen bleibt, sorgt ein umfangreicher Kriterienkatalog, erklärt Dagmar Reuter von der Familie & Beruf Management GmbH, die im Auftrag des Familienministeriums den Zertifizierungsprozess in Tirol begleitet. „Diese Maßnahmen gehen von der Wiege bis zur Bahre, denn Familienfreundlichkeit schließt so viel mehr ein, als man auf den ersten Blick glaubt. Es geht z. B. um eine Rampe im Dorfgasthaus, damit auch die Rollstuhlfahrer Zugang haben. Es geht um Sammeltaxis für Jugendliche, die nach dem Ausgehen sicher nach Hause kommen können. Oder um Oma und Opa, für die Pflege durch Nachbarschaftshilfe vor Ort angeboten wird“, so Reuter. Weil der Weg dorthin möglichst von allen Bürgern mitgetragen werden soll, „ist uns sehr wichtig, dass der Prozess partizipativ ist. Es bringt nichts, wenn nur die Politik das Siegel will, der Ort mit seinen Privatinitiativen, Einrichtungen und Vereinen aber außen vor bleibt“, sagt Reuter. Neun Monate werden die Gemeinden von Reuter begleitet, die sich auch um Organisation und Dokumentation des Prozesses kümmert. Damit die Kriterien langfristig eingehalten werden, müssen sich die Gemeinden einer Überprüfung durch einen unabhängigen Gutachter alle drei Jahre stellen.

Doch nicht nur in Gemeinden bringen Verständnis und Austausch zwischen Jung und Alt Vorteile. „Auch in den Unternehmen ist Familienfreundlichkeit immer eine Win-win-Situation“, weiß Reuter. Das haben in Tirol bisher 22 Unternehmen, drei Pflege- und Gesundheitseinrichtungen und zwei Universitäten und Hochschulen erkannt, die das Siegel tragen. „Es hat sich hier zwar schon sehr viel getan, aber beim Karenzmanagement tun sich noch viele Arbeitgeber schwer, obwohl man so die Chance hätte, Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden“, weiß Reuter. Auch beim Thema Fraue­n in Führungspositionen gibt es – wie viele Studien belegen – in Österreich noch ein großes Manko. „Hier müssten die Möglichkeiten der Schaffung von Home-Office-Plätzen viel stärker ausgebaut werden“, meint Reuter. Früchte trägt auf alle Fälle der Ausbau der Kinderbetreuung, so Familienministerin Sophie Karmasin bei der Präsentation des Familienfreundlichkeits-Monitors 2015 diese Woche. Laut Karmasin hat sich die Familienfreundlichkeit in den letzten drei Jahren verdoppelt.

Als familienfreundlichste Bundesländer werden laut Monitor Vorarlberg, Burgenland, Oberösterreich und Kärnten empfunden. Tirol muss sich auch hier mit einem der hinteren Ränge, dem sechsten Platz, zufriedengeben.

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