Hardliner warnen Rohani vor „Verwestlichung“ des Iran

New York/Teheran (APA) - Angesichts der sich abzeichnenden vorsichtigen Entspannung zwischen dem Iran und der USA nach dem historischen Atom...

New York/Teheran (APA) - Angesichts der sich abzeichnenden vorsichtigen Entspannung zwischen dem Iran und der USA nach dem historischen Atom-Deal vom 14. Juli warnen die ultrakonservativen Kräfte der Islamischen Republik den als moderat geltenden Präsidenten Hassan Rohani vor einer „Verwestlichung des Iran“.

Eine Normalisierung der Beziehungen zu Washington stehe nicht auf der Agenda, stellten sie klar, während Rohani bei der UN-Generalversammlung versucht, neue Brücken zum Westen aufzubauen.

Die beiden mächtigen Freitagsprediger und Rohani-Kritiker Ahmad Jannati und Ahmad Khatami wiederholten in den vergangenen Wochen bei der Predigt in Teheran ihre Position sehr unmissverständlich.

„Wenn einige glauben, dass nun wieder alles in Ordnung ist und wir zur Tagesordnung übergehen und morgen die US-Botschaft in Teheran eröffnet, haben sie sich getäuscht. Der Slogan ‚Tod Amerika‘ bleibt und unsere Position hat sich nicht geändert“, so der Tenor der beiden Ayatollahs.

Rohani und sein politischer Ziehvater Akbar Hashemi-Rafsanjani, der Chef des mächtigen Schlichtungsrates ist, hatten seit dem Atomabkommen vorsichtig angedeutet, dass nach einer Implementierung der Deals auch die schrittweise Wiederherstellung der Beziehungen zu Washington möglich sei.

Rohani sagte erst vor wenigen Tagen in einem Interview mit einem US-Sender, dass er zwar nicht plane US-Präsident Barack Obama in New York zu treffen, dass aber nach einer erfolgreichen Umsetzung des Deals die Situation neu bewertet werden würde.

Irans Oberster Geistlicher Führer, Ayatollah Ali Khamenei, der in allen Belangen das letzte Wort hat, hat ebenfalls in dieser Woche betont, dass den USA nicht zu trauen sei. All diese Zwischenrufe hindern die iranische Delegation nicht daran, die US-Delegation in New York auf fünf verschiedenen Ebenen zu treffen, darunter ein Gespräch zwischen den Außenministern John Kerry und Mohammad Javad Zarif, wo es auch um die Syrien-Frage geht.

Die beiden Staaten unterhalten seit 35 Jahren keine diplomatischen Beziehungen, sind sich aber in den letzten Wochen durch die handelnden Akteure und die geopolitische Situation im Nahen und Mittleren Osten sehr zum Ärger Israels und Saudi-Arabiens nähergekommen.

~ WEB http://www.un.org/en/ga/ ~ APA076 2015-09-27/09:50