Zukunft der Bergdörfer ist alles andere als gesichert
Trotz unterschiedlicher Meinungen bei der 10. Almbegegnung sehen Experten grundsätzlich Handlungsbedarf, um Abwanderung zu stoppen.
Galtür –„Wie können Berdörfer im Jahr 2050 aussehen?“ – Mit dieser Frage hat sich die 10. Galtürer Almbegegnung vergangenen Freitag auseinandergesetzt.
Die Expertenrunde ist unterschiedlicher Meinung, was die Zukunft der Bergregionen betrifft. Agrarlandesrat Erich Schwärzler aus dem Ländle bezeichnete die Landwirtschaft und den Tourismus als Zwillinge. Die Landwirtschaft sei – wie andere Berufe auch – im Wandel begriffen. „Die Zukunft der Bergregionen kann ich mir ohne Viehhaltung nicht vorstellen. Die Mehrleistungen müssten entsprechend honoriert werden.“ Die Sehnsucht nach Regionalität sei eine große Chance für die heimische Landwirtschaft. „Ich möchte nicht gleiche, aber vergleichbare Bedingungen für Stadt und Land“, sagte Schwärzler.
Andreas Steibl vom TVB Paznaun-Ischgl ist überzeugt, dass die Bergdörfer nur dann lebendig sein könnten, wenn es den Tourismus gibt: „Bei uns funktioniert die Zusammenarbeit aller Verantwortlichen. Wir haben kreative Leute mit guten Ideen.“ Ischgl sei in der glücklichen Lage, agieren zu können und nicht reagieren zu müssen.
Der Graubündner Architekt Gion Caminada befasst sich mit dem Thema Abwanderung. Für die ländlichen Regionen gehe es um Neupositionierungen und die Auslotung neuer Möglichkeiten wie Landschaftsparks oder die Installierung von Handwerkslehrgängen. „Die Berggebiete müssen in Beziehung zu den Städten kommen“, ist Caminada überzeugt.
„Der Tourismus ist keine Wundertablette für alles“, betonte Professor Gerlind Weber von der Universität für Bodenkultur in Wien. Gerade für Regionen, wo es sehr wenig oder keinen Tourismus im Hintergrund gebe, müsse nach Alternativen gesucht werden, um Abwanderung zu stoppen. „Gute Luft und eine schöne Region seien zu wenig, um die Menschen am Land zu halten. Die Tendenz geht klar in Richtung Zentralisierung. Die Städte werben massiv um junge, gut ausgebildete Menschen“, erläuterte Weber. Mögliche Alternativen abseits des Tourismus seien dringend gefragt. (psch)