Josef Pühringer - Klein, schwarz, aber nicht mehr so stark
Linz (APA) - Nach 20 Jahren als ÖVP-Landeschef und Landeshauptmann hat Josef Pühringer die ÖVP bei der Landtagswahl zu ihrem historischen Ti...
Linz (APA) - Nach 20 Jahren als ÖVP-Landeschef und Landeshauptmann hat Josef Pühringer die ÖVP bei der Landtagswahl zu ihrem historischen Tiefstand geführt. Die ÖVP hat zwar den ersten Platz gehalten und kann sich auf die Flüchtlingskrise als Ursache für die schweren Verluste ausreden, für sie ist das Ergebnis dennoch katastrophal. Pühringer trat am Wahlabend gezeichnet vor die Kameras.
Die ÖVP hat nicht nur ein Viertel ihrer Wähler verloren, die Wahl dürfte auch ein Ende der zwölfjährigen schwarz-blauen Regierung bedeuten, denn ÖVP und Grüne haben keine Mehrheit mehr im Landtag.
Dabei schien vor wenigen Monaten noch Pühringers Welt völlig in Ordnung: Projekte wie das Linzer Musiktheater, die Medizin-Fakultät oder der Linzer Westring waren in der abgelaufenen Legislaturperiode in trockene Tücher gebracht worden. Den 65-Jährigen zog es, ausgestattet mit guten Beliebtheits- und Vertrauenswerten, statt in die Pension noch einmal in die Wahlschlacht.
Die Partei, die 2009 ihren Stimmenanteil von 43 auf 47 Prozent ausgebaut hatte, startete nicht zuletzt dank ihres Zugpferdes von einem recht hohen Niveau. Als die Flüchtlingswelle Sachthemen fortspülte und die ÖVP in Umfragen immer weiter absacken ließ, während die FPÖ beständig zulegte, reagierte Pühringer mit ungewohnt heftigen Angriffen auf die Blauen und begann rechte Ausritte öffentlich anzuprangern.
Große Ambitionen, mit der FPÖ zu koalieren, zeigte Pühringer im Wahlkampf nicht. Er gilt sowohl als Architekt der ersten schwarz-grünen Zusammenarbeit auf Landesebene als auch als eingefleischter Großkoalitionär. Ein kleines Hintertürchen ließ er sich aber immer offen, indem er Schwarz-Blau nie dezidiert ausschloss.
In der Bundespartei wurde Pühringer bisher großes Gewicht nachgesagt: So führte er nach den Nationalratswahlen 2013 in den Koalitionsverhandlungen die entscheidende Arbeitsgruppe Finanzen. Das heutige Ergebnis wird seine Position allerdings nicht stärken. Er ist mit 35 Prozent hinter Erwin Pröll, Markus Wallner und Günther Platter nur mehr viert - statt zweitstärkster VP-Landeshauptmann.
Schwer hatte es Pühringer auch schon am Beginn seiner Amtszeit. Als er nach 16 Jahren im Landtag und acht Jahren als Landesrat im März 1995 Josef Ratzenböck als LH beerbte, hielten viele die Fußstapfen des Vorgängers für zu groß. Doch er trat aus dem Schatten des Landesvaters heraus und legte seine neue Rolle als die eines Landesmanagers an, der des Arbeitens nie müde zu werden scheint. Tatsächlich, so sagt der Jurist, würden sich seine Batterien sehr schnell wieder aufladen - etwa durch Kuren in Bad Ischl, Familienurlaub am Mondsee, laufen oder saunieren.
Der 1,69 Meter große Pühringer („Ich bin eben ein glaubwürdiger Vertreter der kleinen Leute“) wurde am 30. Oktober 1949 in Traun (Bezirk Linz-Land) geboren. Er ist für seine unkomplizierte Art bekannt, selbst beschreibt er sich als zielstrebig, teamfähig, aber auch ungeduldig - mache nennen ihn cholerisch. Der von einem katholischen Elternhaus geprägte Pühringer ist verheiratet und hat drei Kinder.
~ WEB http://www.oevp.at ~ APA332 2015-09-27/18:34