Reinhold Entholzer - Roter Pragmatiker konnte Ruder nicht herumreißen

Linz (APA) - Mit der heutigen Wahl hat die SPÖ Oberösterreich einen weiteren gezeichneten Parteivorsitzenden. Nach einem Minus von 13,4 Proz...

Linz (APA) - Mit der heutigen Wahl hat die SPÖ Oberösterreich einen weiteren gezeichneten Parteivorsitzenden. Nach einem Minus von 13,4 Prozentpunkten unter Erich Haider 2009, trug sich Reinhold Entholzer am Sonntag mit einem Minus von sieben Prozentpunkten in die Geschichtsbücher ein. Dabei dachte man 2009, dass es nicht noch tiefer ginge.

Doch es ging. Seit dem heutigen Sonntag liegt die SPÖ nicht nur unter 20 Prozent, sie wurde auch von der FPÖ, die laut Hochrechnungen auf rund 31 Prozent kam, klar auf den dritten Platz verwiesen. Aktiv gesucht hat 56-Jährige die Herausforderung, die SPÖ in die Landtagswahl zu führen, nicht. Aber man könne nicht „immer nur attraktive Jobs“ machen, meinte Entholzer, als er im November 2013 die Parteiführung übernahm.

Zuvor war der gelernte Hochbauingenieur fast 15 Jahre in der Arbeitnehmervertretung aktiv, u.a. als Landesvorsitzender der Eisenbahner-Gewerkschaftschaft und zum Schluss als Vorsitzender der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG) in Oberösterreich. In seinem Heimatort Steegen, wo seine politische Laufbahn begann, ist er seit 21 Jahren Gemeinderat.

Beständigkeit und Pragmatismus prägen seinen Arbeitsstil. Entholzer gilt als umgänglicher Kerl mit Handschlagqualität, der die Diskussion nicht scheut, jedoch stets einen Kompromiss sucht. Daher fällt er auch weniger durch markige Ansagen auf als sein Vorgänger Josef Ackerl, der seinerzeit nicht umsonst den Spitznamen „Comandante Uno“ trug. Vielmehr ist der jetzige SPÖ-Chef für alle Genossen der „Reini“, der für sie stets ein offenes Ohr hat. Gleichzeitig ist Entholzer aber eben kein Mann für die erste Reihe.

So hat der Spitzenkandidat auch den Landtagswahlkampf angelegt. Er setzte auf den persönlichen Kontakt mit dem Wähler, die Diskussion Face-to-Face mit den Menschen. Angesichts von knapp 1,1 Mio. Wahlberechtigten ein ambitioniertes Ziel. Nicht zuletzt deswegen war nicht jeder in der Partei von diesem Konzept überzeugt. Ein hochrangiger Genosse, der ungenannt bleiben möchte, zweifelt gar, dass „Reini“ der richtige Mann an der Spitze ist. Zu gut sei er einfach, zu wenig Machtmensch.

Doch auch der Arbeitseinsatz des roten Landeschefs kennt Grenzen. Etwa wenn es um seine Familie geht, die stehe bei ihm an erster Stelle. Die beiden erwachsenen Kinder sind bereits außer Haus, mit seiner Frau Renate lebt er im umgebauten Haus des Großvaters in Steegen. Entholzer spielt gerne Tennis oder fährt Ski. Beim Lesen findet er genauso Entspannung wie beim Treffen mit Freunden.

~ WEB http://www.spoe.at ~ APA348 2015-09-27/18:46