Rudi Anschober - Grüner Verlierer trotz Stimmenplus

Linz (APA) - Er hat an Stimmen gewonnen und trotzdem verloren. Der Grüne Rudi Anschober kann Landesrat bleiben, die schwarz-grüne Koalition ...

Linz (APA) - Er hat an Stimmen gewonnen und trotzdem verloren. Der Grüne Rudi Anschober kann Landesrat bleiben, die schwarz-grüne Koalition dürfte dennoch Geschichte sein. Im Wahlkampf wurde er nicht müde, vor Schwarz-Blau zu warnen. Dieses grüne Horror-Szenario könnte nun wahr werden.

Das ist für die Grünen sehr bitter: Das Wahlziel, den Sitz in der Regierung zu halten, ist zwar gelungen, die schwarz-grüne Regierung dürfte sich trotz grüner Zugewinne dennoch nicht ausgehen. Schuld daran sind die herben Verluste für die ÖVP.

Anschober wurde von seinem Anti-Atom-Engagement in die Politik getrieben. Seit den 1980ern ist er in politischen Funktionen aktiv, war u.a. im Nationalrat, Landtags-Klubobmann und Landessprecher. 2003 schmiedete er mit Josef Pühringer den österreichweit ersten schwarz-grünen Pakt auf Landesebene, seither ist er Umweltlandesrat. Bis 2009 war er bei je vier schwarzen und roten Kollegen in der Landesregierung das Zünglein an der Waage, in der zweiten Auflage von Schwarz-Grün hatte die ÖVP in der Regierung auch allein eine Mehrheit und im Landtag ein Patt. Dennoch hielt die Partnerschaft.

Zwar gab es mit dem Koalitionspartner manche Meinungsverschiedenheit, etwa beim Linzer Westring, wirklich auf den Tisch haut Anschober aber selten - was ihm gelegentlich den Vorwurf des Steigbügelhalters eintrug. Er begegnet dem damit, dass man sich auf das konzentrieren müsse, wo man gestalten könne, in Oberösterreich waren das klassische Umweltthemen. Sein Name steht für Energiewende, Green Jobs, gesundes Essen und Vermeidung von Lebensmittelmüll.

Anschober kann auf höhere Bekanntheitswerte als so mancher rote oder schwarze Kollege verweisen. Für seine grünen Weggefährten war es lange Zeit schwierig, sich neben dem politischer Alleinunterhalter zu positionieren. Nach einer Burn-out-bedingten Auszeit 2012 trat aber er schließlich doch kürzer, übergab die Parteispitze an Maria Buchmayr und war in erster Linie Landesrat. Dennoch ist er nach wie vor das Gesicht der oberösterreichischen Grünen.

Privat ist Anschober ein leidenschaftlicher Hobby-Gärtner, liest, läuft und kocht gerne - am liebsten bio und „flexitarisch“, also fleischarm. Entspannung findet er bei Spaziergängen mit Hund „Agur“, der diesmal sogar mit auf die Wahlplakate durfte. Anschober lebt in einer kinderlosen Partnerschaft.

~ WEB http://www.gruene.at ~ APA355 2015-09-27/18:52