Polen bettete 35 Opfer der Stalin-Zeit zur letzten Ruhe

Warschau (APA/AFP) - Die Leichname von 35 Opfern der Stalin-Zeit sind am Sonntag in Polen feierlich umgebettet worden. Die 35 Holzsärge wurd...

Warschau (APA/AFP) - Die Leichname von 35 Opfern der Stalin-Zeit sind am Sonntag in Polen feierlich umgebettet worden. Die 35 Holzsärge wurden in ein neues Mausoleum in Warschau gebracht, nachdem die Leichen der Opfer zuvor aus einem Massengrab exhumiert und identifiziert worden waren.

„Wir versuchen jetzt, das Schicksal jedes Einzelnen dieser Opfer zu ergründen, so dass so weit wie möglich keiner anonym bleibt“, sagte Polens Ministerpräsidentin Ewa Kopacz in einer vom Fernsehen live übertragenen Ansprache bei der Zeremonie.

Es sollten konkrete Namen der Opfer der „kommunistischen Terrorherrschaft von 1945 bis 1956 hinzugefügt, dokumentiert und porträtiert werden“, sagte Kopacz weiter. Ein nationales Institut leitet derzeit eine umfangreiche Exhumierungsarbeit im ganzen Land. Nach Schätzungen des Instituts wurden in der Nachkriegszeit rund 50.000 Menschen getötet, viele der Opfer wurden in Massengräbern verscharrt. Bisher wurden in Polen 600 Leichen exhumiert, von denen 41 durch DNA-Tests identifiziert werden konnten.

Das Institut hofft, dabei auch die Überreste von Witold Pilecki zu finden, eines polnischen Widerstandskämpfers, der das NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau infiltriert hatte, um der Welt über den Horror in dem Nazi-Lager zu berichten. Pilecki entkam nach drei Jahren aus dem Lager, wurde später aber zur Stalin-Zeit in Polen verhaftet und wegen Spionage zum Tode verurteilt. Seine Überreste wurden nie gefunden.